Neunzehntes Kapitel. Jan's Erhoͤhung.
Nachdenkend, wie er vor vier Jahren an jenem hei— tern Herbſttage durch die Gaſſen von Leyden gegangen war, aber weit mehr zerfallen und verſtört in ſeinem In⸗ nern, wandelte Rynald vor Knipperdollings Hauſe auf und nieder. Der blaue Himmel, der ſo mild lächelte, die Sonne, die ſo freundlich ſtrahlte, waren nicht ver⸗ mögend, die Geiſter der Unruhe zu bändigen, die in ſei⸗ ner Seele ſtritten. Manchen ſtillen Seufzer ſandte er den entſchwundenen Jahren nach, und je mächtiger ſein Trotz gegen die Wehmuth ankämpfte, je inniger drang ſich ihm dieſe auf. Es ſpielten Tauben zu ſeinen Füßen; bald ſchwangen ſie ſich fröhlich in die Luft, bald tauchten ſie nieder mit ſchwirrenden Flügeln. Rynald beneidete ſie um ihre Fittiche.„Dieſe ſind frei!“ redete es zu ihm, wie die blaſſe Reue:„Unglücklicher, Du biſt es nicht. Dieſe ſind ſchuldlos mitten in der fluch- und angſtbela⸗ ſteten Stadt; Du, Unglücklicher, biſt Du noch ſchuldlos, wie ſie 2“
Eine kläglich ausſehende Geſtalt näherte ſich dem Hauſe und dem unſtät Schreitenden:„Guten Tag, Ry⸗ nald,“ ſagte Meiſter Lüdger, und ein Schimmer von


