Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

194

mernd:Auch unſer Letztes raubt uns der Prophet! Sollte das des Himmels Wille ſeyn 2

Nun traten die Feinde des Matthieſen in Menge vor, und forderten im Namen der Stadt, daß er ſeine Sen⸗ dung bewähre, und die zwölf Aelteſten thaten den Spruch, er ſolle, wenn er's vermöchte, das bedrängte Münſter ſeiner Feinde entledigen, ohne zu ſäumen, denn es ſey der Wille des Herrn, daß ſein Knecht ein Wunder ver⸗ richte.

In ſolcher Verlegenheit winkte dem unentſchloſſenen Harlemer ein Mann aus dem Pöbel, und zeigte ihm einen Brief. Matthieſen begehrte, eine Viertelſtunde lang ſich mit dem Vater berathen zu dürfen, und begab ſich in die Halle des Rathhauſes. Der Träger des Briefs ſtellte ſich bei ihm ein: Helcueper, der Flickſchneider. Mit ge⸗ heimnißvollem Weſen gab dieſer dem Propheten ſein Schrei⸗ ben, und meldete, ein ihm bekannter Mann, den er ſehr erkrankt vor dem Hörterthore getroffen, habe ihn, der von einer Streife heimkehrte, um aller Seligkeit willen angefleht, den Zettel dem weiſen Manne Jan Matthieſen unverzüglich zu überbringen. In dem Zettel ſtand aber geſchrieben:Iſelmud grüßt Dich in des Herrn Liebe und Gnade. Die Helfer ſind, ſechstauſend Mann ſtark, hente in unſern Geſichtskreis gekommen. Sie haben Zwoll und das Kloſter am Berge erobert, ſind dann ohne Schwertſtreich bis hieher gezogen. Die Wachen des La⸗ gers vor dem Lüdgerthore ſahen ſie ſchon, da ſie die Lagerreihe umkreisten. Die Heiden rüſten ſich. Ich kann, plötzlich erkrankt, nicht zur Stadt zurück und ver⸗ traue dieſen Brief getreuen Händen. Fall' aus. Wieder⸗ ſehen im Siege!

Die Frende blitzte aus allen Zügen Matthieſens.Wer gab Dir dieſen Brief? fragte er.Berendt Moſer, der Schreiner, antwortete Helcueper dreiſt.Du biſt ein wackerer Sohn Zions. Kaum hätte ich erwartet, von