Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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beſudelt die meinige. Vater, wer an die reine Sitte der Unglücklichen taſtet, der ich Beſchützer ward, weil ſie keinen Freund auf der weiten Erde hat, wer Ben David's Toch⸗ ter ſchmäht, blos deßhalb weil ſie eine Jüdin und mir lieb iſt, gegen den zieht mein Zorn zu Felde, und wäre ich gleich ſein Sohn. Buhlerei, ſagt Ihr? Die Farbe des reinen Himmels reicht nicht an Eſther's Unbeſcholtenheit; eine Schurkerei habe ich noch nie gedacht. Aber unter meinem Schilde ruht die Taube ſicher; ich verrathe ihre Zu⸗ flucht den Feinden nicht, und würde jetzt ſchon der Holzſtoß für mich angezündet.

Prahlender Wüſtling! zürnte Diether:Tritt immer auf in Deiner wahren Geſtalt; fliehe aber die Stätte, wo ein Freiſtuhl Weſtphalens ſteht. Häufe nicht noch den Jam⸗ mer auf mein Haupt, Dich an einem Stadtthore von den heimlichen Rächern aufgehängt zu erblicken.

Der Herr wurde unſchuldig gerichtet; erwiederte Da⸗ gobert mit völliger Seelenruhe:beneidenswerth wäre ich, ein ſchwacher Sohn des Staubes, träfe mich ein gleiches Loos. Lebt wohl indeſſen, Vater. Ich ſcheide. Lieblich war mir dies Haus, da ich noch eine fröhliche Ingend darin berumtrug, von Stiege zu Stiege, von Speicher zu Flur, von Gemach zu Gemach, und mich überall in die Arme eines guten Vaters, in den Schvoß einer treuen Mutter legen konnte. Aber, nun die getreue Mutter zum Himmel gezo⸗ gen iſt, und das Vaterherz ein doppelt Erz angethan hat, ſind mir erſt dieſe Wände eng geworden, und niedrig wie Särge dieſe Gemächer. Ich will Euch, Herr Vater, wie den wälſchen Ohm mit meinem Anblick verſchonen, und für⸗ der allein für mich meine Straße ziehen. Behüt' Euch Gott,