Gerichts eine Tochter anklagen zu müſſen, die ſie lieben möchte. Da aber nun plötzlich die Dinge und der böſe Handel dieſer Juden eine ſolche bedauerliche Wendung neh⸗ men und das ehrliche Haus eines wackern Altbürgers mit in den Strudel der Verworfenenheit hinabzureißen drohten, konnte und mochte ich nicht länger ſchweigen, und entdecke, um die Abweſende zu vertheidigen, lieber frei und offen, was ſie mir, nicht unter dem Siegel der Beichte, wohl aber im engſten Vertrauen längſt geoffenbart.“
Der Mönch hielt inne mit ſeiner Rede, die er mit ſürmiſchem Eifer vorgetragen hatte, und alle Anweſende ſchwiegen eine Weile. Diether ſah ſtarr auf den Knaben, der ſich an die grobe Kutte des Mönchs ſchmiegte; der Oberſt⸗ richter kaute an den Nägeln, der Schultheiß lehnte ſich mit vornehmer Geberde, ein ungläubiges Lächeln auf dem Antlitz, in den Seſſel zurück.—„Und was ſagſt Du, Jude?“ fragte der Oberſtrichter endlich den harrenden Ben David. Dieſer zuckte die Achſeln und entgegnete:„Was fragt Ihr doch nach meinem Gezeugniſſe, geſtrenger Herr, da ſchon der gelehrte und heilige Mann dort gezeugt hat und geredet? Ich bin nur ein ſchlechter Jud; aber auch unſere Leute glauben alle an die vom Stamme Levi.“—„Welche Widerſpruche!“ rief der Schultheiß:„Mit Erlaubniß, hochwürdiger Herr; allein wie mag's geſchehen, daß der Jude geſchwiegen bis jetzt?“ —„Das möge er ſelbſt verantworten;“ verſetzte Reinhold mit ſcharfem Seitenblick auf Ben David. Der Letztere nahm auch alſobald das Wort:„Ich habe gehandelt recht, da ich den Buben zurückgab der Mutter, und das Recht iſt ein gut Kopfkiſſen im Thurme ſogar. Ich habe auch immer gehofft, wir würden ſeyn gerettet durch der ehrſamen Frau Margarethe


