Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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und bin ich nicht jetzs vor Kummer, Reue, betrübter Haft und ſchmaler Koſt ein rechtes Charfreitaggeſicht geworden? Und dennoch kennt mich der Bube und entſinnt ſich meiner. Nicht wahr, mein kleiner Hans? Der Knabe bekräftigte ſo gut er's vermochte, des Edelknechts Behauptung, und Diether's funkelnde Augen zeugten von einer ungewöhnlichen Sehnſucht, auf den Grund dieſer Verwirrung zu kommen. Gerhard ſuchte von dem Augenblicke Nutzen zu ziehen und ſagte demüthig:Nun, ihr Herren, wäre ich im Reinen. Reu und Leid thue ich von Herzen und will auch die Armen reichlich bedenken, ſo Ihr mich von hinnen laßt. Ihr ſeht, der Bube iſt ein Chriſtenbube geblieben und in reiche Sipp⸗ 1 ſchaft gerathen. Ich waſche meine Hände in Unſchuld. Der verdammte Jude, der von meiner Trübſal Nutzen zog, mag es entgelten. Spart nur die Folter nicht an dem Hunde, bis er bekennt, was er mit dem Knaben vorgenommen, bis er ihn ſo weit gebracht. Mich jedoch laßt ziehen mit Ver laub. Ein ernſter Blick des Schultheißen brachte mit einemmale den Schwätzer zum Schweigen, und der aufge⸗ rufene Jochai bezeugte mit zitternder Stimme:Dieſer ſey wirklich der Knabe, den einſt David in ſein Haus gebracht, aber auch wieder von dannen geſchafft habe, ohne zu ſagen, wohin.

Ben David trat nach ihm vor und ſagte beſcheiden und ruhig:Mir ſoll Gott helfen.. Das iſt das Jüngelchen, leiß⸗ haftig, und ich will nicht läugnen fürder.Aber bei den Wundern des Herrn! fuhr Diether auf:wie verwickelt ſich denn plötzlich meines Hauſes Ehre mit dieſem eckelhaften Juden⸗ geſindel? Was iſt da vorgegangen? Wer iſt der Knabe? Iſt dieſer Bube mein Sohn. iſt er's nicht? Rede, verruchter