zu entgehen... Wo das Mittel? Ihre Hand tappt nach der Seite der Uhrſtube, neben welcher ſie wieder iſt. Sie ſindet eine angelehnte Thüre; drückt ſie auf; ſtürzt hinein.. klammert ſich bebend an zwei dicke Pfoſten feſt, neben wel⸗ chen durch man zum Uhrwerk geht.— Sie läßt Pahlens vorüber gehen, hört ihn die Thüre öffnen, hört, wie man ihn gewaltſam ergreift, feſtnimmt, zwingt, den bewaffneten Troß hinauf zu führen, während unten ſorgfältig die Thüre wieder verſchloſſen wird. Wenige Minuten, und der Schwarm kömmt zurück. In ſeiner Mitte jammert der arretirte Pah⸗ lens.—„Verdammter heimlicher Katholik!“ ruft eine Stimme:„Du ſollſt ſchon reden lernen!“ und fort tobt die Schaar, und verläßt den Thurm.
Die Pforte fällt zu; Schlüſſel drehen ſich im Schloß; ſchwere Tritte kommen die Treppen herauf. Der neue
Wächter gewinnt die Höhe. Seine Tritte verhallen, ſeiner
Lampe Schimmer vergeht; Alles wird ſtill— todtenſtill, und troſtlos erräth Juſtine, daß ſie ganz verlaſſen geblieben. Keine Hoffnung zu entkommen..z kein rettender Zuruf von Außen. Unter der Laſt ihrer Angſt wanken ihre Kniee, ſchwindelt ihr das Haupt. Da fängt das Uhrwerk an zu raſſeln wie Gewitterlärm, Walzen und Räder knarren, pfeifen und rauſchen, und die furchtbar große Glocke ſchlägt an, als ob jeder Streich Juſtinens Leben zu vernichten bätte. Die Erſchütterte finkt unter den donnernden Schlä⸗ gen, die nicht endigen wollen, zuſammen. Ihr Bewußtſeyn ſchwindet.—
Ende des zweiten Theils.
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