Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

eines guten Comödianten, eines poſſierlichen Burſchen; ich fand ein beſſeres Brod. Ich hatte geſpart: ich hatte meinen Kindern ganze Kleidungsſtücke angeſchafft, meine Katharine mit dem Nöthigſten verſehen; ich hatte ein Bett gekauft, und beinahe ſchon die Summe zu einem Plüſchrocke beiſam⸗ men, der mich in den Stand geſetzt hätte, reputirlich unter die Leute zu gehen, als Katharine in die langwierige Krank⸗ heit verfiel. Unſer Wohlſtand verging wie eine Seifenblaſe, und ein Dienſt, den ich bei der Geſellſchaft des ſel. Velten antreten ſollte, mußte ebenfalls aufgegeben werden. So kam ich hieher, ſo fandeſt Du mich. Nach langen Jahren erregt Dein Anblick, Münzner, wieder das erſte lebhaft frohe Ge⸗ fühl in meinem Herzen. Die Hoffnung, daß meine Katha⸗ rine leben wird, und Dein Wiederfinden, macht mich glücklich. Ach, wie wahr redet der unvergleichliche Lohenſtein in einem ſeiner Trauerſtücke: Je finſterer die Nacht, je heller iſt das Licht:

Je öfter man die Hand an ſpitz'ge Dörner ſticht,

Je mehr bekränzt man ſich mit blutbemilchten Roſen:.

Je mehr die Mittagshitz uns ſticht, je ſüßer koſen

Die feuchten Abendlüft'; iſt Wetter, Sturm und Well',

und Wolke krüb und ſchwarz, ſo dünkt uns noch ſo hell

und luſtig Sonn' und Port. Die ſteinern harten Ketten,

Die Felſenlaſt, die uns zu Boden ſchier getreten,

Des Lebens ſteter Tod, der jeden Blick uns ſchreckt,

Das dunkel⸗grauſe Loch, in das wir eingeſteckt,

Der Trauerrauch hat ſich verkehrt in ſanfte Wonne,

Die Nacht hat ſich verſtellt in eine lichte Sonne!

Nach dieſen pathetiſch hergeſagten Worten ſchüttelte der Schauſpieler des Doktors Hand noch einmal herzlich, und

ein warmer Tropfen fiel auf dieſe Hand. 11*