6
und vornehmen Goldwänden gähnt,— dann, Wanderer, meide die ſtolze Pforte, wenn auch noch ſo einladend das „Salve“ von ihrer Schwelle ſpricht. In dem Steinhaufen gebietet kein fühlendes Gemüth, und vor dem ſtarren Reich⸗ thum floh die Zufriedenheit!— Wer im Jahre 1720 gelebt, und das Innere des Hauſes geſehen hätte, welches der Se⸗ nator Müſſinger in der deutſchen Reichs⸗ und Handelsſtadt, die der Aufzeichner dieſer Begebenheiten meint, aber nicht nennt, dazumal bewohnte, müßte dem einleitenden Spruche Beifall geben. Das ſtattliche Gebäude war von Uranbeginn zum Denkmale des Hochmuths beſtimmt geweſen. Ein Spe⸗ kulant, der in den erſten Jahren des ſpaniſchen Erbfol gekriegs durch Lieferungen für die alliirten Heere ungeheure Summen gewonnen hatte, legte das Fundament zu demj pallaſtähn⸗ lichen Hauſe. Die Vollendung deſſelben ſollte er nicht ſehen. Mancher Schurkereien überwieſen, ſollte ihm, kurze Zeit nach der Schlacht bei Hochſtädt, der Prozeß gemacht werden: er entging der Schande jedoch durch einen kühnen Piſtolenſchuß. Die leere, unausgebaute Prachtwohnung des verunglückten Lieferanten kaufte bald der vom Glücke begünſtigte Senator Müſfinger. Der unternehmende Handelsherr, der mit Oſt⸗ und Weſtindien verkehrte, fand ſich zu enge in dem kleinen Vaterhauſe, zog über in das Neue, Große; und Fortuna, dietbereitwillig in dem beſcheidenen Spezereikrame des Kauf⸗ manns Platz genommen hatte, ſiedelte mit in das neue, geräumige Comptoir. Müſſingers Firma war die Erſte auf dem Markte, und florirte weit und breit im Aus⸗ wie im
Inlande; trieb Jahr für Jahr die ſchönſten Blüthen und
Früchte. Die Mehrzahl ſeiner Mitbürger beneidete den glücklichen Senator; ſie bewies aber durch dieſen Neid—
—
——————
—


