Teil eines Werkes 
31. Band, Herbstviolen : Erzählungen und Novellen : 2. Band (1834)
Entstehung
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weniger. So kamen wir in Neuſtadt an, an ei nem Sonntag, beim Untergang der Sonne, und begaben uns ſpornſtreichs nach dem Hauſe der Tante. Ach! was mußten wir da ſehen! Die Magd, die uns aufmachte, war in Trauer, und die ſchoͤne Demviſelle, in der ich die kleine Salo⸗ me kaum wieder erkannte, befand ſich auch im grau und ſchwarzen Putz. Die gute Tante war vor einem halben Jahre heimgegangen, wie die Frommen das Sterben nennen, und hatte noch auf ihrem Todbette fuͤr den entlaufenen Conrad gebetet, und ihn der Schweſter zur chriſtlichen Liebe recommandirt, wenn er wiederkehren ſollte. Da war es freilich ganz naturlich, daß der ver⸗ lor'ne Sohn von der Schweſter mit vieler Ten⸗ dreſſe empfangen wurde, und daß dankbar wei⸗ nende Erben auf dem Leichenſtein der gottſeligen Chriſtiane ſaßen, waͤhrend das Grab des auch bereits verſtorbenen Oncles und ſeiner Frau von deren lachenden Erben gemieden und vergeſſen wurde. Dem Conrad wurde ein huͤbſches Eta⸗ bliſſement ausgemacht, und weil ich ſelbſt zu ſpät gekommen war, um die ſcharmante Salome zu freien, ſo tanzte ich doch in Kurzem bei ihrer Hochzeit mit einem reichen Gerbersſohne die Po⸗ lonaiſe. Ein froͤhlich ausſehender Prediger traute