und daß ich vielleicht in kurzer Zeit der alleinige Beſitzer eines conſiderablen Vermoͤgens geworden waäre, aber ich haͤtte mir auch im Augenblick wieder Ohrfeigen geben moͤgen, weil ich ſo hab⸗ ſuͤchtig an den Tod des guten alten Weibes ge— dacht hatte. So ſetzte ich mich hin, und ſchrieb ihr ein zierliches Brieflein, und wickelte den Wer⸗ muth in Honig ein, und ſagte ihr: daß ſie an ihres Bruders Kinder denken moͤchte, zugleich aber die uͤbrige Verwandtenrotte zum Haus hin⸗ aus werfen ſolle. Darauf war zwei Tage lang Ruhe, indem ich nichts von Frau Chriſtiane hoͤrte. Am dritten jedoch kamen plotzlich Conrad und Salome zu mir in Viſite, und brachten tauſend Gruͤße von der Tante Chriſtiane, und ei⸗ nen ſchoͤnen Latwergentopf toll Schleckereien, und einige Flaſchen voll des beſten Rheinweins. Die Tante ließe bedauern, ſagten die Kinder, daß es mir nicht mehr im Hauſe gefallen haͤtte, und ſchickte ihres Bruders Kinder, ſich bei nir zu bedanken, ich wuͤßte ſchon wofuͤr. Sie wolle thun, wie ich gerathen. Da erkannte ich, wie doch die Tugend ſchnell in dem Herzen der wa⸗ ckern Frau die Victvire davon getragen, und gra⸗ tulirte den Kindern, ohne daß ſie wußten warum, und herzte ſie, und obſervirte hiebei ganz im Stillen, daß Salome eine gar huͤbſche Perſon
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31. Band, Herbstviolen : Erzählungen und Novellen : 2. Band (1834)
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