— 340— Intereſſe zu ziehen. Sie ſagte ſchelmiſch fluͤ⸗ ſternd:„Sehen Sie doch, Herr Parlamentsrath, wie mein kleiner Spitzbube von Marquis die Gelegenheit mißbraucht, und ſich noch obendrein ſchmeichelt, vor meinen ſcharfen Augen das Netz zu verbergen, welches er uͤber das niedliche Haupt
der Kreolin zu ziehen begehrt.“ Bachaumont erwiederte in demſelben Tone: „Nur wenige ſind berufen nach den ſchoͤnſten
Kraͤnzen des Lebens zu ſtreben, und unter dieſen
befindet ſich leider ſtatt meiner der Marquis. Die Koͤniginnen des Frauengeſchlechts uͤberhaͤu⸗ fen den wandelbaren Cäſar mit unverdienter Gunſt.“
„Jede Gunſt hat ihre Zeit, wie eine Blume,
wie eine Bluͤthe;“ antwortete Ninon mit ganz
heiterer, unbefangener Stirn:„Die Liebe muß frei ſeyn, wie der Vogel in der Luft. Ich lobe ſie mir, wenn ſie gluͤhend ausbricht, gleich einem heißen Sturm der Wuͤſte, und endlich ſtill und ſpurlos verrieſelt, wie eine ſchwache Quelle im Sande. Das Leben iſt ſo kurz, und man ſollte


