Teil eines Werkes 
30. Band, Herbstviolen : Erzählungen und Novellen : 1. Band (1834)
Entstehung
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ſchienen die Angſt zu verſinnlichen, worein Dich

tern Leidens, deſſen Kelch der Erloſer getrunken, um die Suͤnden der Sterblichen zu tilgen. Hei⸗ lige Schauer durchbebten mich, und ich ſtand er⸗ ſchuttert ſtille, wenige Schritte von dem Mauer⸗ ſturz entfernt, den ich mit leichter Muhe uͤber⸗ ſchreiten konnte, um in den Garten zu dringen. Aber noch war nicht alles gethan, noch war kein Sieg errungen, denn auf jener Mauerluͤcke erkannte ich Thereſens weißen Schleier, ihr Tuch flatterte mir entgegen, ihr gluͤhender Athem ſchien meine Wangen zu beruͤhren. Die Sehnſucht der Weiber uͤbt eine zauberiſch verderbliche Gewalt auf den ſtaͤrkern Mann aus, und ich waͤre ver⸗ loren geweſen, wenn ſich nicht ein Mittler gefun⸗ den hätte, der zwiſchen mich und die Verſuchung trat. Dieſer Mittler war Dein Bild, mein Freund! Vor jenem Mauerabſturz ſtandeſt Du in dieſer Kutte mit ausgeſpannten abwehrenden Armen, und Deine Lippen, die ſich raſch bewegten, ohne einen Ton von ſich zu geben, die grellen Zuͤge Deines wie vom Fieber entſtellten Angeſichts,