Geſundheit auch jene Heftigkeit wieder erlangt, die ihrem Ge⸗ ſchlecht eigenthümlich iſt, und ſehr oft in der Gattin heraus tritt, wenn jie auch dem Mädchen nicht beizuwohnen ſchien. Das im Innern durch den Verluſt ihres Kindes tief ge⸗ tränkte Weib hatte die Erinnerung dieſes Unglücks auf's Neue und lebendiger an ſich herangezogen. Ein ſehnſüchti⸗ ger wilder Schmerz folterte unaufhörlich ihre Seele, und der Dämon der Eiferſucht entzündete noch einmal mit ſeiner Fackel ihr Herz. Dieſes Herz liebte den Batten zwar mit der Wärme der erſten Empfindung; aber gerade aus dieſer Aebe entwickelte ſich der Argwohn, und doppelt fürchterlich iſt die Leidenſchaft der Eiferſucht, wenn ſie rückwärts blät⸗ tert im Buche des Lobers, und aus lang vergangener Zeit friſche Nahrung herauszugrübeln verſucht.— Vergebens hatte Victor mit aller Beſonnenheit des Mannes, im Be⸗ wußtſeyn untadelhaften Thuns, den böſen Launen, den un⸗ ſeligen Grillen ſeiner Gattin entgegen gekämpft. Was das unabläſſige Zureden vieler Stunden gut gemacht, riß wieder die Selbſtauälerei Adelens in der nächſten ſchlafloſen Nacht ein. Die Abweſenheit Victors, ſein langer Aufenthalt bei vem Heere zu Boulogne, vollendeten das Unheil. Die trau⸗ rigſten Brieft, bald überſließend von glühender Zärtlichkeit, dann wieder von den ungerechteſten Vorwürfen angefüllt, verwundeten das Gefühl des edlen Mannes. Adele hatte die fixe Idee gefaßt⸗ Gabriele und Victor ſeyen in ein un⸗ würdiges Verhältniß verflochten geweſen; Sans⸗Regret habe den Vertrauten dieſes Bündniſſes vorgeſtellt, und nur der Nachläßigkeit Victors⸗ ſeinem Mangel an Theilnahme und Liebe, ſey der Verluſt der geliebten Tochter zuzuſchreiben. Feindliche Rathſchläge hatten das Uebrige gethan. Dieſelbe
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4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 4. Theil (1838)
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