132
wie vor dem Anblick des Todes ſelbſt, fuhr er zurück; aber ein ſtarker Arm hielt den Zuſammenſinkenden feſt, und Sans⸗ Regrets Stimme flüſterte ihm in die Ohren:„Keine Schwäche, mein Offizier. Gönnen Sie dem Gefindel hier nicht die Freude an ihrem Schmerz. Kommen Sie vielmehr, daß wir uns von dieſem Ort des Schreckens entfernen.“
Mechaniſch folgte Victor dem Freunde, und ſtammelte nur, wie vor ſich hin:„Das mußt' ich erleben? dieſe gräu⸗ liche That muß den Mann, den ich wie einen Gott verehrte, auf ewig von meinem Herzen reißen? mußte er ſeinen Pur⸗ pur in dem Blut dieſes Unſchuldigen färben? und ich, kaum zurückgekehrt, im heftigſten Schmerze, mußte von ihm mit der fürchterlichen Sendung bedacht werden, die zu ſpät kam, wie der Grauſame es vorausſah?“— Sans⸗Regret aber ſtieß den Bataillonschef an, und ſagte ihm leiſe:„Nicht ſo laut, mein Freund. Bezwingen Sie ſich. Sehen Sie, wie ruhig ich bin, ob ich gleich gewiſſermaßen an dem Morde Theil habe. Freilich liebe ich die Bourbonen nicht mehr als den gleichgültigſten Menſchen, aber der Thron, der ſich auf jenen Gebeinen erbaut, iſt mir ein Gräuel, und ich könnte ſchier vor Verdruß ſterben, wie ich aus Melancholie ſterben wollte. Nun aber muß ich ja am Leben bleiben: erſtens, weil Sie jetzt wieder eines Freundes bedürfen, der ſie trö⸗ ſtet, und zweitens, weil es jetzt ſo heraus käme, als hätt' ich mich aus Verzweiflung über den Tod dieſes Enghien er⸗ ſchoſſen. Ich weiß, wie die Müſſiggänger von Paris über ſolche Zufälligkeiten ſchwatzen, und die Maulaffen ſollen mir die Leichenrede nicht halten.“
—
—
———
1 „ *


