Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 3. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

125

Tiſchliedchen nach einer leichten Melodie. Bei dem Refrain wollen wir alle vor den Flaſchen unſer Teſtament machen, und nicht ruhen, bis wir uns den ſüßen Tod in dem Wein getrunken, den Du zum Einſtand herbeiſchaffen wirſt. Scherz auf dem Geſichte, und ſchwarzen Ernſt im Buſen, ging Sans⸗Regret in das Kabinet, um an Victor, an ſeinen Schwiegervater, und ſeinen Sohn zu ſchreiben. Wäh⸗ rend deſſen kamen noch mehr der geladenen Gäſte an, und brachten auch die Kunde, daß ſie die Letzten ſepen, indem von Stund an der Ein⸗ und Austritt in und aus der Feſtung verboten ſey, bis auf weitere Ordre. Die Tafel

wurde gerüſtet; kalte Speiſen wurden aufgeſetzt und Wein in Menge herbeigetragen, worauf die Geſellſchaft Platz

nahm. Ein Domeſtik des Kommandanten rief kurz darnach den Inſpektor hinaus, und dieſer ſagte, da er wieder zurück kam, mit Rührung im Geſichte:Laßt uns in der Freude der Unglücklichen nicht vergeſſen. Der Kommandant läßt uns erſuchen, von unſerer Mahlzeit dem Gefangenen, der ſich oben bei ihm befindet und Hunger und Durſt leidet, etwas mitzutheilen. Die Frau des Kommandanten iſt krank und ſeine Küche ſchlecht beſtellt. Ich halte dafür, daß es anſtändig ſeyn würde, dem armen Gefangenen ein Hühnchen und eine gute Compotte von unſerem Ueberfluß zu ver⸗ abfolgen.

Wer iſt der Gefangene? wie heißt er? woher? fragten alle Stimmen, und der Inſpektor antwortete:Ach, meine Freunde, das weiß ich nicht, und mag nicht ein Gerücht wiederholen, welches ſich ſo eben im Schloſſe verbreitet. Aber der unglückliche junge Mann iſt ein Franzoſe, und