Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Chabran überflog verwundert mit ſeinen Augen die mit vielen Couverts belegte Tafel. So unangenehm es ihm war, den Tag des Wiederſehens nicht mit der Geliebten allein zu genießen, ſo ſehr ſchmeichelte ihm die Ehre, mit den Helden der Vendee zu Tiſch zu ſitzen. Eine Regung von Menſchlichkeit that ſich in dem Geſchmeichelten kund. Er ſprach zärtlich zu Gabrielen:Ich hoffe, meine Freundin, daß Sie dieſe Gelegenheit benützen werden, um von den Heerführern das Leben dieſes Mannes zu erhalten, den das Loos der Waffen in meine Gewalt brachte! Gebricht es ihm auch an Herkunft, Rang und Sitten, iſt auch die Sache teufliſch, der er dient, ſo hat er doch tapfer geſtritten, und niemals hat eine Dame den Ueberwundenen, der in ihre Hand gelegt worden, einem finſtern Schickſale anheim fallen laſſen. Wir finden in alten Ritterbüchern tauſend Beiſpiele für Eines, daß ſogar ungläubigen Sarazenen dieſe Wohlthat wurde; warum nicht auch einmal einem ſchlechtgläubigen Republikaner?

Die Marquiſe maß den gefangenen Offizier mit eiskal⸗ tem Blicke, zuckte die Achſeln, hing Vietor's Säbel, den ihr Chabran übergeben, feierlich an einen Nagel zu den Tro⸗ phäen des Saals, und ſagte alsdann trocken und gleich⸗ gültig:Ich will ſehen, was zu thun iſt. Einſtweilen iſt jedoch die Gegenwart dieſes Mannes läſtig für uns und für ihn. Befehlen Sie daher, guter Chabran, daß man ihn in den Thurm bringe. Es ſoll ihm an dieſem Tag der Freude nicht an Speiſe und Tränk fehlen, und der arme Schelm mag ſich auf dieſe Weiſe eines Siegs der rechtmäßigen Partei dankbar erinnern.