111¹
In wenig Augenblicken ſtanden ſie vor dem Haufe des Esprémenil. Alle Cavaliere zweiten Ranges, die nicht das Vorrecht hatten, zu dieſen gefährlichen Stunden in den Gemächern des Königs zu verweilen, hatten ſich als eine galante Schutzwehr in dem Hotel Esprémenil eingefunden, da die Gräfin, leicht unpäßlich, nicht hatte bei der Königin erſcheinen können. Es wimmelte im Hauſe von Uniformen, prächtigen Hofkleidern, und glänzenden Degen. Es gab einen allgemeinen Aufſtand, als Victor in Sans⸗Regrets Camiſol und Mütze, und das Fräulein in übel zugerichteten Kleidern erſchien. Die Gräfin fuhr vom Sopha in die Höhe, wo ſie mit einigen andern Damen ſaß, und ſchrie: „Um Gottes Willen! mein Coufin, ſind Sie es? Sie ſehen ja aus wie ein Baſtilleſtürmer! Sind Sie zur Oppoſition getreten? Folgen Sie dem edlen Beiſpiel des St. Huruge, und kommen uns hier zur Capitulation aufzufordern? Es lebe die Nation! Nicht wahr meine Herren und Damen?— Wenn wir nur znſere Köpfe behalten.“
Victor verſchmähte den unzeitigen Scherz, bedauerte, ſich nicht darauf einlaſſen zu können, weil ſeine Pflicht ihn rufe, und bat ſchließlich die Gräfin um Schutz für ſeine Begleiterin.— Das Geſicht der Esprémenil verzog ſich in eiferſüchtiges Staunen, als ſie die ſchöne Tochter des In⸗ validen⸗Gouverneurs ſich vorgeſtellt ſah.— Natürlicherweiſe wurde die aufſteigende Bitterkeit von dem höflichen Tone der Convenienz unterdrückt, und ſie verſicherte der ſchönen Traurigen ihren ganzen Beiſtand, ihre Hülfe. Sie konnte es dennoch nicht über ſich gewinnen, ihren Couſin beim Weggehen nicht aufzuhalten, und ſagte zu ihm, an der Thüre des Vorzimmers, mit halb ſpöttiſchem, halb gekränktem


