Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 2. Theil (1838) Der Jüngling und sein Kampf mit dem Leben
Entstehung
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Ihr hattet ja in Prag keinen Freund außer mir, wenigſtens keinen, der von Euch wußte. Die Leute von Worosdar, deren Zeugniß Euch retten konnte, wußten ebenfalls nichts von Euch und Eurer Sache. Euren hieſigen Feinden war es ein Kinderſpiel, Euch zu verderben. Keinem Boten wollte ich Brief und Sendung anvertrauen. Ich ritt alſo ſelbſt gen Ollmütz zur Fürſtin. Sie und die Prinzeſſin erſchracken in den Tod ob dem ungeheuern Frevel, den man an Euch zu verüben im Begriff ſtand, und verſprachen zu thun, was recht ſeyn würde. Nachdem ich Eile empfohlen hatte, kehrte ich heim, froh wie ein Gott; denn ich glaubte Euch durch das ſchriftliche Zeugniß der Fürſtin, das ſie mir vorläufig mitgegeben, gerettet. Allein, wie wurde mir zu Muthe, als mir ein Rechts⸗ und Geſetzkundiger erklärte, felbſt bei be⸗ ſeitigter Mordbrandsanklage ſey die Entwendung des kaiſer⸗ lichen Kleinods ſchon hinreichend, Euch das Leben zu koſten, wenn der Monarch nicht außerordentliche Gnade walten laſſe. Da ſtand ich wie vom Blitz getroffen. Ich hatte noch nichts gethan. Der nichtswürdige Doctor mußte gebändigt werden, oder alles ging verloren. Ich hatte den fahlhaari⸗ gen, kupfernaſigen Knochenmann ſchon lang auf dem Korne, denn er hat mich damals von Rom aus bei der Fürſtin ver⸗

leumdet. Ich hatte ihm Rache geſchworen; die Gelegenheit

bot ſich dar, ſie zum Nutz und Frommen meines Reiſege⸗ fährten auszuüben: und wenn ſich die ganze Welt vor dem Teufelsbanner Dee fürchtete, ſo war ich mehr als der Teu⸗ fel, und fürchtete ihn nicht. Dennoch war ich geſtern früh noch unentſchloſſen, aber es drängte die Zeit, ich durfte nicht ſäumen, entſchloß mich kurz und gut, und ging zu dem Gei⸗ ſterbeſchwörer in die Studierſtube. Der feine Galgenvogel