Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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die Miene machten, ihn anzugreifen.Des Todes iſt, wer mich anrührt! donnerte er gegen die Verſammlung.

Mord! Hülfe! Mord! ſchrieen alle Gäſte. Archimbald machte ſich aber den Weg zur Thüre frei.Lebt wohl, Herr Wernher! rief er noch mit vielſagendem Zornblicke.Das uebermenſchliche habe ich gethan. Mein Gewiſſen iſt ruhig. Was Euch betrifft, ſo ſehen wir uns wieder!

Er ſchritt hinaus, und eilte alsdann, wie ein Vogel⸗ durch die winterlichen Gaſſen ins Freie. Hier aber, auf ödem Schneefelde, kniete er nieder und rief, von Wuth und Schmerz gepeinigt, den Dolch gen Himmel hebend:

Allmächtiger! Du haſt meinen Kampf, meine Leiden, meine Ueberwindung geſehen. Ich habe vor ihm gebettelt, er hat mich abgewieſen. Ich lag vor ihm auf den Knieen, er hat mich zurückgeſtoßen. So ſchwöre ich ihm denn Rache! die vollſte, gräßlichſte Rache, und übergebe mich dem ewigen Fluche, der ewigen Verdammniß, wenn ich eher raſte, eher ruhe, bis ich nicht ſein ſchwarzes, abſcheuliches Schelmen⸗ blut getrunken, und dadurch mit meinem innerſten Leben vermiſcht habe; wozu mir Gott helfen möge.

Nach dieſem fürchterlichen Racheſchwur, dem dritten, den er gegen Philipp geleiſtet, ſchritt er, ohne zu wiſſen wohin, auf's Gerathewohl in die von Winterſtürmen durchheulte Ebene hinein.

Ende des erſten Theils.