Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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Herde ſtehen, vor ihm Feuer und kochende Speiſen. Der Alte hatte aber ein Fläſchlein zur Hand, welches er bedächtig gegen die Sonne hielt, um den Inhalt deſſelben im hellen Lichte mit den Augen zu prüfen. Ein milchartiger Saft füllte zum Drittel ungefähr die Phiole. Simon rüttelte und ſchuttelte an dem Fläſchchen, als Archimbald, dem es zu lange dauerte, mit einem lauten Halloh! die Eidechſe an ihn ſchleuderte. Das ängſtliche Thier flog wie der Blitz an dem Alten hinunter, der vor Schrecken das Fläſchchen fallen ließ, welches auf dem Steinboden in tauſend Stücke zer⸗ ſprang. Archimbald lachte ausgelaſſen; Simon warf ihm aber einen Zornblick zu, wie der Knabe noch nie geſchen, der ihm auch das Lachen urplötzlich vertrieb. Ein ſchwerer Fluch, oder wenigſtens ein bittres Wort ſchien auf Simons Lippen zu ſchweben, doch nahm ſich der Behutſame zuſammen, und ſchwieg, bis die erſte Bewegung vertobt hatte.

Was habt ihr nun davon, junges Herrlein.. fragte er endlich mit unſichrer Stimme,... daß die edle Eſſenz, mit der ich meine alten Augen zu ſtärken pflege, verſchüttet am Boden liegt?

Hm, erwiederte Archimbald, das thut mir leid. Doch tröſte dich. Der Vater ſoll dir Geld geben, welche zu kaufen. Sey nur nicht griesgram, und komme mit mir hinein. Ich habe ſo viele Langeweile, und am Sonntage darf ich in den Frühſtunden nicht aus die Gaſſe.

Was ſoll ich aber in der Stube mit euch, mein Junker⸗ lein? fragte Simon weiter.

Mährlein erzählen, alter Simon, rief der Knabe, und zerrte ihn ungeduldig mit ſich fort. Der Alte folgte halb gezwungen, überließ der Magd Sabine die Aufſicht der