kämpft, man fand zwar noch am nämlichen Tage den Todten, aber keiner der Jäger konnte ausſagen: wie und durch wen er gefallen ſey? Unſer Herr ſchwirg ſorgfältig, ſuchte ſogar durch Verſtellung und Theil⸗ nahme an Mechtildens großer Trauer Eingang in ihrem Herzen zu gewinnen; aber ſeine Mühe war vergebens, ſie wollte. ſeine Troſtgründe nicht hören, ihr krankes Herz ſchien es unwillkührlich zu fühlen, daß eben er ihr ſeinen Liebling geraubt habe. Als dieſer ſah, daß Güte nichts fruchte, die Verſicherung ſeiner ewigen und innigen Liebe kein Gehör fände, da entbrannte Wuth in ſeinem Herzen; er ſchwur hoch und theuer, durch Gewalt zu erringen, was freier Wille ihm hartnäckig verweigere. Ich mußte auf ſein Geheiß heimziehen, fünfzig getreue Reiſige aufbieten, und mit dieſen in einem Forſte lauern, in welchen Mechtildis beinahe täglich durch die Jagd ihren tiefen Kummer zu zerſtrenen ſuchte: ſie weilte dann immer im Dickichte an der Stätte, wo ihr Ge⸗ liebter ſtarb, und weihte ſeinem Andenken Thränen in unzählbarer Menge. Da ſie oft, um ungeſtört trauern zu können, all ihr Gefolge abſeits ſandte, ſo hatte ich den Auftrag, mich mit den Reiſigen hinter einer klei⸗ nen Anhöhe verborgen zu halten, und zum Raube herbeizueilen, wenn der Landgraf winken würde. Wie ich nach einem raſtloſen Zuge an der beſtimmten Stelle anlangte, und dem Landgrafen durch einen Eil⸗ boten von meiner Ankunft Nachricht gab, erhielt ich Rückantwort, daß Mechtilde am folgenden Morgen jagen, und wahrſcheinlich in meine Schlinge fallen würde. Ehe noch die Sonne uns beleuchtete, hörte ich auch wirklich ſchon im Forſt Hörnerſchall und Rüdengebelle; ich ſchlich mit meinen Reiſigen näher zum Dickichte, und brach ſchnell durch, als der Land⸗
graf winkte. Ich traf ſie am Boden knieend und


