Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
Entstehung
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Der Ritter. Wir ſind Männer, die nach eignem Willen handeln, und des Rathes der Weiber nicht be⸗ dürfen. Sie wiſſen es nicht! Doch da es das Anſe⸗ hen gewinnt, als ob ihr durch unnütze Fragen nur die koſtbare Zeit tödten wollt, ſo muß ich euch an den Endzweck meiner Sendung erinnern, mein Hauptmann heiſcht ſchnelle Nachricht, erklärt euch alſo deutlich: Wählt ihr Unterſchrift und Entſagung, oder einen Trank aus dieſem Becher?

Der König. Hm! Hm!

Der Ritter. Ihr müßt antworten.

Der König. Wenn ichs aber nicht thue?

Der Ritter(einen Dolch aus ſeinem Buſen ziehend) So endet dieſer Freund euern Starrfinn.

Der König. Wirklich? Du biſt alſo der Henker des Bundes, ich neide dir dein Amt nicht, die Ver⸗ antwortung wird einſt groß ſeyn. Ich entſage, ich unterſchreibe nicht.

Der Ritter. So bleibt dir die Wahl zwiſchen Becher und Dolch. Zögere nicht länger, ſonſt muß ich enden.

Der König. Wenn ich den Becher leere, wie lange kann ich dann noch leben?

Der Ritter. Wenn du ihn bis auf den letzten Tropfen leerſt, höchſtens noch eine Stunde.

Der König. Ah, ein ſchaudervoller Tod, aber ihr ſeyd grauſam genug, mir keine Zeit zu gönnen; ich habe noch manches zu bereuen, ich muß ihn wäh⸗ len. Wohnt in eurer Mordhöhle ein Prieſter, kann ich mit dieſem ſprechen?

Der Ritter. Wir fordern nur dein Leben, nicht

deine Seele, er wird eintreten, wenn du den Becher geleert haſt. Der König. So ſeys! Ich war König, und ich

ſterbe als König. Auf deines Hauptmanns, auf euer gller