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eures Bundes wenigſtens eins derſelben beſitzen. Fühlt die Größe des Lohns und handelt darnach.“
Noch konnte der arme, betrogne König ſich dicht faſſen, noch wußte er nicht, wie er ſicher und ſchnell die verrätheriſche Burg verlaſſen und den Nachſtellun⸗ gen des Treuloſen, aber auch mächtigen Bundes ent⸗ fliehen ſollte, als er ſtarkes Geräuſch und Waffenge⸗ klirre hinter ſich hörte. Seine Rechte berührte verge⸗ bens die linke Seite, er fühlte erſt jetzt, daß er un⸗ bewaffnet ſey und ſich nicht einmal gegen den gering⸗ ſten Ueberfall vertheidigen könne. Er trat hinter den dicken Stamm einer Eiche, und ſah, daß ein Haufe bewaffneter Löwenritter ſorgfältig in der Gegend um⸗ herſpähe; er zog die nahen Sträucher leiſe an ſich, und ſuchte ſich unter ihrem dicken Laube zu verbergen.
Einer der Ritter. Ich ſehe ihn nirgends.
Ein Anderer. Und doch ſchwöre ichs euch, daß ich ihn vor kurzem hier umherwandeln ſah.
Der Erſte. Wahrſcheinlich um das geraubte Schrei⸗ ben zu leſen. Aber warum auch Otto den dümmſten ſeiner Knechte mit ſo wichtigem Auftrage abſandte? Konnte man ſichs wohl träumen laſſen, daß er eben ihm das Schreiben überantworten werde?
Ein Anderer. Wer weiß, obs auch wirklich ge⸗ ſchah? Noch iſts nur Vermuthung, nicht Gewißheit⸗
Der Erſte. Vermuthung? Beſchrieb ihn nicht der Bote aufs deutlichſte? Wer unter uns trägt ein reich⸗ geſticktes Wamms? Sahen ihn nicht ſelbſt einige Rit⸗ ter mit einem Schreiben in der Hand nach dem Gar⸗ ten wanken?
Der Zweite. Selbſt, wie ich ihn hier herumwan⸗ deln ſah, hielt ers noch feſt darin.
Der Erſte. Und ihr wollt noch zweifeln, nur ver⸗ muthen, was doch ganz gewiß iſt?—— Wenn er entflohen wäre!


