Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
Entstehung
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tet, lieber im Gefängniſſe ſchmachten, als Aſiens künf⸗ tigem Beherrſcher eure Hand reichen wolltet. Wo iſt ein Weib eures gleichen? Wo eine Dirne, die edler handelte als ihr!

Adelgunde. Mein Herr und König, eure grän⸗ zenloſe Güte kann mich wohl ſtumm machen, aber meinen Dank nicht vermindern, er ruht in meinem Herzen.

Der König. Gönnt mir dort immer einen freund⸗ ſchaftlichen Platz, und ich werde mich glücklicher dün⸗ ken, als wenn ich auf dem Throne eines eroberten Landes ſäße. Heil mir, daß ich euer Herz doch mit einer angenehmen Nachricht erfreuen kann! Ihr kanntet eures Vaters Verbrechen?

Adelgunde. Ich kannte ſie, aber mein Herz nahm nicht Antheil daran.

Der König. Auch erwähnte ich dies deswegen nicht, ich wollte euch nur überzeugen, daß ich auch dieſe zu vergeſſen verſtehe, und daß Großmuth meinem Her⸗ zen keine fremde Tugend iſt. Vor einigen Monden fand ich euern Vater in Sicilien wieder.

Adelgunde. Meinen Vater? So lebt er noch? Oder habt ihr Doch nein, ihr ſeyd ja ein groß⸗ müthiger König, ihr habt gewiß vergeben und vergeſſen!

Der König. Ich vergab und vergaß. Er übte zwar neue Verbrechen in meinem Lande, er wollte

Adelgunde. Ihr habt ja vergeſſen!

Der König. Ein gerechter Vorwurf, deſſen ich mich nicht würde ſchuldig gemacht haben, wenn ich nicht durch die Erzählung euern Dank, euer Wohlwol⸗ len zu vermehren gehofft hätte; doch ihr habt Recht, ſie ſind vergeſſen, und mir geziemts nicht, ihrer mehr

zu gedenken. Euer Vater lebt jetzt aus eigner Wahl

und folglich freiwillig in einem Kloſter meines Landes er will, ſo ſprach er ſelbſt, dort die Welt vergeſſen und ſeine Verbrechen bereuen.