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doch nicht verhindern, mich zu überzeugen, daß derje⸗ nige, welcher volle Gewalt in Händen hat und ſie nicht übt, groß unb edel handelt, folglich Anſpruch auf Dankbarkeit machen kann. Ich verſprach daher, nicht Hand an mein Leben zu legen, nicht zu fliehen, wenn ich ungehindert Freiheit genöße; doch mußte auch er mir hoch und theuer ſchwören, die ſelbſt gemachten Bedingungen aufs genaueſte zu erfüllen. Er thats mit Entzücken, jubelte hoch, daß ihm nun Hoffnung bliebe, und entfernte ſich freiwillig. Nie kehrte er ohne meine Erlaubniß wieder zurück; da ihm aber Bitte, um er⸗ ſcheinen zu dürfen, erlaubt war, ſo quälte er mich täglich mit ſo vielen, ſo mancherlei Botſchaften, die alle dahin abzweckten, daß ſelten ein Tag verging, wo ich ihn nicht ſehen und ſprechen mußte. Nie habe ich ein ſprachvolleres Auge geſehen als das ſeinige, es fragte und forſchte unaufhörlich, und ſetzte das mei⸗
nige voft in Verlegenheit, wie es abſchlagen ſollte, was er ſo wehmüthig zu bitten ſchien.
Wir zogen bald darauf nach Jernſalem; ich fand dort viele leidende Chriſten, ſie ſchmachteten im Un⸗ glücke und ſchweren Feſſeln. Ich löste die meiſten der⸗ ſelben, und mein Herz genoß oft wahre Freude, wenn es ſo unbedingt wohlthun konnte. Der beſcheidne Kor⸗ radin fing nun an, kühner zu werden; er erſchien unangemeldet, er ſprach ohne Scheu von ſeiner inni⸗
gen Liebe, und flehte ungeachtet meiner Warnung um Erhörung. Dies empörte mein Herz aufs neue; hätte er länger im Stillen geduldet, ſeinen Vertrag nicht muthwillig gebrochen, er würde wahrſcheinlich meinen Haß beſiegt, mein Mitleid erregt haben: ſo erblickte ich aber aufs neue blos den Käufer meiner Ehre, ieiner Unſchuld in ihm, und beſchloß, eher zu ſter⸗ ben, als ihm die geringſte Gunſtbezeugung zu ge⸗ währen.


