ich nicht ganz irre, wenn die Gewißheit meines Un⸗ glücks mir nicht alle Beſinnungskraft raubt, ſo zählt er ſchon längſt die Jahre eines Mannes, könnte füg⸗ licher euer Vater als Geliebter ſeyn!
Agnes. Wohl möglich! aber ich liebe ihn doch inbrünſtig und zärtlich.
Heinrich. Seine Geſtalt, ſein Geſicht! O habt ihr denn beides auch genau unterſucht? Seinen Rü⸗ cken ziert ein merkbarer Höcker! Die Farbe ſeines Ge⸗ ſichtes naht ſich der Farbe eines Mohren!
Ages. Aber ſein gutes, ſein vortreffliches Herz verdunkelt alle dieſe Fehler. Ihr müht euch vergebens, ſein Bild aus meinem Herzen zu reißen. Oft hat mein Verſtand demſelben die nämlichen Vorwürfe ge⸗ macht, aber immer ward er überwunden und beſiegt. Ich will euch noch mehr entdecken, er iſt über dies alles noch ſehr arm und dürftig, er lebt blos von der Gnade meines Vaters, aber wenn ihr je ernſtlich geliebt habt—
Heinrich. Ihr? Ihrkönnt noch ſo grauſamfragen?
Agnes. Nun wohl! So werdet ihr aus Erfah⸗ rung wiſſen, daß ächte Liebe des Reichthums nicht achtet, ſich im Beſitze des Geliebten glücklicher in einer Strohhütte dünkt, als ohne ihn unter der purpurnen Decke des Throns.
Heinrich. Kann, wird euer Vater je wohl dieſe ſeltne Verbindung billigen?
Agnes. Dies war bisher der große Stein des Anſtoßes, den ich immer vergebens zu heben ſuchte Doch der allmächtigen Liebe iſt nichts unmöglich, und ich hoffe mit euerm Beiſtande jetzt alle Hinderniſſe zu tilgen. Ich will des guten Vaters Herz überliſten, ich will ihn zwingen, mein einziges, mein größtes Gliück zu befördern. Hört meinen Vorſchlag: Wenn ihr den Geſundheitsbecher von meinem Vater erhalten werpet


