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Die schönen Amerikanerinnen : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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giebt mein Tage keinen guten Ehemann. Item: ſie waren Mann und Frau, und kamen nach S., eigentlich nur zum Be⸗ ſuch; dann blieben ſie da, weil juſt ein alter Meiſter geſtorben war und ein junger ſich ſetzen konnte, hauptſächlich aber, weil der Lebrecht doch keine beſſere Ausſicht hatte. Nun ging das Leid für mich an. Unſere Eltern waren geſtorben, ich hatte das Geſchäft übernommen, war ſchon ſo lange verheirathet, daß ich bereits ſechs Kinderchen zu ernähren hatte, und die Schweſter, die immer kränker geworden, mußte ich auch erhalten. Juſt zu der Zeit fing das auch mit den Fabriken an; wir kleinen Hand⸗ werker konnten nicht ſo billig arbeiten; da war denn der Ver⸗ dienſt ſchlecht; es ging knapp zu, und manchmal ſchaute gar der Hunger zur Thür hinein. Das war ſchon ſchlimm genug, aber ſchlimmer wurde es, als der Lebrecht jeden Tag kam und ſagte, ich ſolle ihm helfen und ich müßte ihm helfen, es fehlte ihm dies und es fehlte ihm das in der Wirthſchaft, im Laden. Ich half, wo ich konnte, es war freilich blutwenig, aber wenn's auch viel geweſen wäre ihm würde es doch nichts geholfen haben, denn er konnte das Seine nicht zuſammenhalten, es war, als ob er an jedem Arm ſtatt der Hand ein Sieb hätte und ein großlöchriges dazu. So ging das Elend mehrere Jahre und wurde immer größer, als er nun noch zwei Kinder in die Che bekam, die ſchönſten Kinderchen, die man ſehen konnte. Die Leute im Ort hätten ihn gern unterſtützt, ſchon der Frau und der Kinderchen wegen, aber zuletzt wurden ſie es müde, weil ſie ſahen, daß er ſich nicht helfen laſſen wollte, denn, je ſchlechter es ihm ging, deſto höher wollte er hinaus, und je mehr er den Leuten ſchuldig war, um ſo hochmüthiger ſah er ſie über die Achſel an und ſchimpfte über das Lumpenvolk und Krämerpack, denen er noch einmal zeigen werde, was er für ein Kerl ſei.

Da kam er eines Tages zu mir und ſagte, er wolle nach Amerika; ich ſollte ihm das Geld dazu geben. Ich hatte es nicht, aber ich dachte auch, daß es das Beſte wäre, wenn er fortginge, und ſo ſammelte ich denn für ihn und bekam endlich die Summe zuſammen. Er nahm das Geld, ohne zu danken.