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Die schönen Amerikanerinnen : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Die Chanſſee lag wieder in ihrem ſtillen Scheine vor uns, das Geräuſch der ſich jetzt ſchneller bewegenden Räder erſtarb in der Ferne; Egbert athmete tief auf und ließ die Hand von meiner Schulter; wir traten unter den Tannen hervor. War es, daß eine Wolke über den Mond zog, oder war ſonſt ein Schatten herabgeſunken, aber es ſchien mir irgendwie in den letzten Minuten dunkler geworden. Wir gingen ſchweigend neben⸗ einander hin.

Egbert, ſagte ich, dies war hochromantiſch; aber wie viel romantiſcher wäre es geweſen, wenn wir, anſtatt wie büngliche Kinder athemlos unter den Bäumen zu ſtehen, mit Juchhei⸗ raſſaſſa hervorgebrochen wären, die Alten aus dem Wagen ge⸗ worfen, Dich und Deine Schöne hineingeſetzt, den Pferden die Köpfe gewandt—

Du biſt unerträglich! ſagte Egbert.

Wohl möglich, ſagte ich, aber recht hat er doch:

„Und kenn' zwei blaue Augen, Aus denen ſcheint der Mond!“

Menſch, willſt Du mich raſend machen! rief Egbert, indem er mich an beiden Schultern packte und ſchüttelte.

Du raſeſt ſchon, ſagte ich.

Er warf ſich an meine Bruſt und rief: Verzeihe mir! ich liebe ſie; ich liebe ſie!

Armer Freund, ſagte ich, es ſieht beinahe ſo aus. Und Du haſt recht: es iſt, ſo viel habe ich bemerken können, ein holdes, liebliches, liebenswürdiges Geſchöpf.

Ja, das iſt ſie, rief Egbert; ein holdes, holdes Geſchöpf, und ich bin der unglücklichſte der Menſchen.

Ich wüßte nicht, warum, ſagte ich; denn ich ſehe durchaus nicht ein, weshalb Du das reizende Mädchen— wie heißt ſie übrigens?—

Ellen— ſagte Egbert..

Alſo weshalb Du die ſchöne Ellen nicht heirathen ſollteſt, wenn Du nur willſt. Aber freilich! Die Hände in den Schooß legen, im Stillen ſeufzen, die Augen nicht zu erheben wagen, und banditenmäßig im Hintergrund lauern— das wird Dich

Fr. Spielhagen's Werke. VIII. 3