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Die schönen Amerikanerinnen : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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in Tannenburg aufhielt, um mich zu bewegen, meine kleine Familie in einem ziemlich triſten Soolbade der Ebene auf ein paar Tage allein zu laſſen und den Ort, von deſſen reizender Lage ich ſo viel gehört, endlich einmal kennen zu lernen. Dieſer Freund hatte auf denſelben Schulbänken, wie ich aber immer einige Bänke tiefer geſeſſen. Er gehörte zur glücklichen Mi⸗ norität der mit erb⸗ und eigenthümlichem Grundbeſitz ausge⸗ zeichneten Menſchen: ein hochgewachſener, ſchöner Mann mit hellen Augen, denen man auf den erſten Blick anſah, daß ſie die Viſirlinie einer Büchſe mit unfehlbarer Sicherheit finden würden, und im Uebrigen: was die Leuteeinen guten Jungen, oder ſpätereinen guten Kerl zu nennen pflegen. Ich hatte ihn nichtsdeſtoweniger, oder vielmehr: gerade deswegen immer ſehr lieb gehabt, denn ich war in Sachen der Freundſchaft ſtets der Anſicht, welche die vortreffliche Frau Primroſe in Sachen ihres Hochzeitkleides hatte: daß man bei der Wahl vor Allem auf die Tugend der Dauerhaftigkeit ſehen müſſe.

Um ſo mehr fiel es mir heute, nachdem wir über eine Stunde in dem Kurgarten geſeſſen hatten, auf, nicht nur, daß ich die Converſation faſt allein führte denn daran war ich in unſerem Umgange gewöhnt ſondern daß ihm offen⸗ bar das ſorgfältige Signalement, welches ich von dem jüngſten meiner Kinder gab, wenig Theilnahme abzugewinnen vermochte, ja, daß ſeine Aufmerkſamkeit bei einer eingehenden Erörterung der Vortheile und Nachtheile des franzöſiſch⸗deutſchen Handels⸗ vertrages für den internationalen literariſchen Verkehr auf Null ſank, und in ſeine hellen Augen ein Schatten fiel, der nicht von dem Abend herrühren konnte, welcher allerdings ſchnell her⸗ einbrach.

Ich verſuchte es noch mit dem Liebig'ſchen Kinderpulver und verfiel allmälig, als auch das nicht anſchlug, ebenfalls in ein Schweigen, das dem Orte und der Stunde auch wohl mehr entſprach, als angeregtes Geſpräch. Die Sonne mochte ſeit

einer halben Stunde hinter den Schloßberg geſunken ſein, doch

war die Luft, obgleich wir uns ſchon im Anfang des Herbſtes befanden, ſommerlich warm und erquickend zugleich. Durch die