Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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er von der Landwirthſchaft im Großen oder Kleinen? Die Verwaltung eines fürſtlichen Vermögens war das ſo leicht wie Schuldenmachen? Die Muße eines großen Herrn auf ſeinen Schlöſſern, in der Reſidenz, auf Reiſen ſie mußte zur öden Qual der Langeweile werden für Jemanden, der keine andere Wiſſenſchaft kannte als die des Krieges, keine andere Kunſt als etwa die der Belagerung. Hatte er doch jenes ple⸗ bejiſche Können, jenes demokratiſche Wiſſen von jeher gern Denen überlaſſen, die ihre Geburt dafür beſtimmte: Bürgerlichen oder herabgekommenen Adeligen: den Horſt, den Zeiſel. Sollte er mit den Horſt, den Zeiſel concurriren?

Und nun mußte er ſie wiederfinden, hier, zu dieſer Stunde, die einſt ſo heiß, ach, noch immer ſo heiß Geliebte!

Es hatte einen furchtbaren Eindruck auf ihn gemacht, als er ſie in einer frühen Morgenſtunde der erſten Nacht in den Saal treten ſah in demſelben ſchwarzen, vollkommen einfachen Kleide, das die junge Geſellſchafterin im Hauſe der Generalin getragen von Bett zu Bett gehend, hier ſich ver⸗ weilend, dort leiſe vorüberhuſchend, bis ſie an ſein Bett kam einen Moment ſtutzte und nun herantrat, ihm ſchweigend von dem Trank reichte, der vor ihm auf dem Tiſchchen ſtand, die Hand für einen Moment ganz leiſe auf ſeine Stirn legte und dann weiter ging zu den anderen Betten, während er den Kopf in die Kiſſen drückte und weinte wie ein Kind.

So war ſie jeden Morgen um dieſelbe Stunde in den Saal getreten, um dann den Tag bis in den ſpäten Abend zu blei⸗ ben, kommend, gehend, wieder kommend unermüdlich, un⸗ hörbar, Schmerzen lindernd, Troſt ſprechend, wo ihr Anblick, ihre Gegenwart ſchon als Labſal und Troſt empfunden wurde.

Und jeden Morgen um dieſelbe Stunde hatte er wach ge⸗ legen, unverwandten Auges auf die Thür blickend, durch die ſie einzutreten pflegte, ungeduldig des Augenblicks harrend, da ſie eintreten würde.