Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

454

Atmoſphäre und jener eigenthümliche Dunſt, der dem Kundigen ſofort ſagte, daß hier Schwerverwundete lagen. Und hier nun, wohin man ihn in dem erſten Augenblick grenzenloſer Verwirrung gebracht, hatte ſeit acht Tagen der Major Fürſt Heinrich Roda⸗Steinburg gelegen. Prinzen und Fürſten waren gekommen, um ihre Theilnahme zu beweiſen; der König hatte ihm durch einen ſeiner Adjutanten das Eiſerne Kreuz mit den ſchmeichelhafteſten Ausdrücken ſeiner beſonderen Huld und gnädigen Geſinnung überreichen und ſein Bedauern ausſprechen laſſen, daß die Zeit ihm nicht erlaube, ſich nach dem Befinden eines ſeiner tapferſten Officiere perſönlich zu er⸗ kundigen; es hatte an Aufmerkſamkeiten keiner Art gefehlt, auch war der Zuſtand der Wunden über alles Erwarten gut: die Kugel in der Schulter war gefunden und wenn der Arm gleich für immer gelähmt bleiben würde, hatte man doch nicht zu einer Amputation zu ſchreiten brauchen dennoch hatte den Verwundeten eine trübe düſtere Stimmung nicht verlaſſen wollen, ja dieſelbe ſchien mit jedem Tage und in demſelben Maße zu⸗ zunehmen, in welchem die Beſſerung vorwärts ging.

Er hatte auf das beſtimmteſte und, als man weiter in ihn drang, in faſt leidenſchaftlicher Weiſe abgelehnt, aus dieſem Saal, welchen er mit ein paar Dutzend Leidensgefährten theilte, von denen über die Hälfte gemeine Soldaten und Unterofficiere waren, in ein ruhigeres Gemach gebracht zu werden.

Ich habe in der Schlacht vor dem Feinde keine beſſeren Chancen geſucht als meine Leute, ſagte er; ich will auch nach der Schlacht keine beſſeren haben.

Man hatte das an der Tafel des Höchſtcommandirenden als Grille und Eigenſinn ausgelegt, aber ein wegen ſeiner loſen Zunge bekannter General ſagte:

Ich glaube ſeit heute mit Beſtimmtheit zu wiſſen, weshalb er nicht aus dem Saale will.

Nun?

Weil das ſchönſte der Mädchen dort als Krankenwärterin functionirt.

Wer iſt es?

4