Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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haßt die Menſchen immer nur in Gedanken; wenn er ſie vor ſich ſieht, und gar, wenn er ihnen helfen kann, vergißt er Alles, was er vorher über ſie gedacht, gefühlt, und iſt die Freundlich⸗ keit, die Güte ſelbſt.

Nun aber konnte unſer gnädigſter Herr dem Grafen helfen, und ich muß hier dieſen Umſtand um des pragmatiſchen Zu⸗ ſammenhanges willen gleich erwähnen, obgleich ſich derſelbe vor⸗ läufig meinen Blicken entzog, und Alles, was damit zuſammen⸗ hing, aus Rückſichten, die ich zu verehren habe, vor mir ver⸗ ſchwiegen blieb.

Der Herr Graf war mit der Comteß Stephanie verlobt, ſo gut wie verlobt. Aber der Herr Graf war nicht nur arm, er hatte auch noch ſehr, ſehr beträchtliche Schulden, und an eine ſtandesgemäße Haushaltung des jungen Paares war vorläufig nicht zu denken. Zwar intereſſirte ſich die Prinzeſſin, welche mit Excellenz längſt

befreundet war und dieſelbe nach dem Tode des Generals ſofort

zu ihrer Oberhofmeiſterin ernannt hatte, lebhaft für die Ver⸗ bindung. Auch ſtand zu erwarten, daß Majeſtät ſeiner bewähr⸗ ten Milde gegen ſeinen treuen Diener nicht vergeſſen werde. Indeſſen, das waren alles nur Ausſichten, Möglichkeiten und Durchlaucht hätte eben nicht Durchlaucht ſein müſſen, wenn er ſich trotz alledem und alledem nicht ſeinem armen jungen Ver⸗ wandten gegenüber als Senior der Familie und als Beſitzer eines mehr als fürſtlichen Vermögens gefühlt hätte. Möglich auch, daß unſer Herr bei dem Allen noch andere, politiſche Gedanken verfolgte, und gewiß, daß noch ein drittes Moment im Spiele war, welches ich muß es um des Folgenden willen, das ſonſt ganz unverſtändlich wäre, wiederholen von mir um dieſe Zeit nicht gekannt und nicht geahnt war, ſo wenig ge⸗ ahnt, daß ich im Gegentheil die Herren werden mich verſtehen die Empfindlichkeit Sereniſſimi fürchtete, wenn der junge Graf ſich eifriger, als es die geſellſchaftliche Courtviſie erfordert, um Comteß Stephanie zu bemühen ſchien, und ich die Verſtimmung unſeres Herrn, die manchmal, wenn wir allein waren, ſichtbar genug hewortrat, auf dieſen Umſtand ſchob und auf nichts we⸗ niger gefaßt war, als auf das, was nun in aller Kürze eintrat.

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