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aufgethan war, hatte ihn vollſtändig geblendet. Er hatte ein dunkles Gefühl, daß, was ſeine Frau da zuletzt geſagt, durch⸗ aus windig, närriſch und— ſozuſagen— abſcheulich unmoraliſch ſei. Und in demſelben Moment rückte er ſeine Brille höher und blickte nach dem Schloſſe hinauf, um deſſen hohe Zinnen der letzte Abendſchein ſpielte.
Verheirathet ſind ſie im Grunde genommen nicht, murmelte 8 er, und Lieschen würde ſich in einer dunkelgrünen Sammetrobe wunderſchön ausnehmen; und reiten könnte ſie in der That auch noch lernen.
Papa, Papa! ertönte eine ſentimentale Stimme ganz in ſeiner Nähe.
Der Kanzleirath wachte aus ſeinem Traum auf.
Vor ihm ſtand Lieschen, die blaſſen Wängelein ungewöhn⸗ lich geröthet, die lichtblauen Augen von einem lebhafteren Glanz erhellt.
Wo bleibſt Du denn, Papa? Herr von Zeiſel iſt ſchon lange hier und eben kommt auch Doctor Horſt. Warum ſiehſt Du mich ſo ſonderbar an, Papa? Gefällt Dir mein Anzug nicht? Herr von Zeiſel hat mir ſchon die ſchönſten Complimente darüber gemacht.
Du verdienſt, in Sammet und Seide zu gehen, murmelte der Kanzleirath mit gerührter Stimme.
Wie meinſt Du, Papa?
Armes unſchuldiges Kind! armes unſchuldiges Kind! mur⸗ melte der Kanzleirath, die junge Dame an ſich ziehend und ihr einen Kuß auf die Stirn hauchend.
Gott, Papa, Du zerdrückſt mir ja meine neue Schleife, 9
rief Lieschen, ſich etwas ärgerlich aus der väterlichen Umarmung befreiend und eilig nach dem Hanſe zurücktehrend.
Die lautere Unſchuld! ſagte der Karzleirath, ſeinen Kragen zurechtzupfend. Es iſt das eine ſonderbare Lage, eine ganz merkwürdige Lage. Zwei Freier auf einmal und im Hinter⸗ grunde— man muß eine abwartende Poſition einnehmen; man muß transigiren, man darf ſich auf keinen Fall engagiren, auf keinen Fall..


