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Arbeiten blieb. Weshalb? Weil Sie ſich, wie wir Alle, durch das ewige Einerlei der ſtillen ſonnigen Tage, die wir hier ſo hinſpinnen, haben einlullen laſſen; weil Sie der Anregung ent⸗ behren, welche der Mann nur im Umgange mit Gleichſtreben⸗ den, Gleichringenden findet, des Spornes entbehren, welcher für jedes edlere Gemüth die Erfolge der Anderen ſind. Es hat mir wehgethan, Sie neulich ſo niedergeſchlagen, ſo tief traurig von der Naturforſcherverſammlung zurückkehren zu ſehen. Da hatten Sie erfahren, was wir in der Schule lernen: daß, wer nicht fortſchreitet, zurückgeht. Da hatten Sie jüngere Männer mit Erfolgen triumphiren ſehen, die Ihnen zukamen, und Sie hatten nebenbei am Wege geſtanden und ſich ſagen müſſen: Ich habe meine Zeit verloren.
Hedwigs Wangen glühten, während ſie alſo ſprach. Die künſtliche Ruhe wich mit jedem Worte mehr und mehr der Leidenſchaft, die in ihr wühlte.
Sie fuhr, ohne die Antwort ihres Begleiters abzuwarten, faſt als ſpräche ſie zu ſich ſelbſt, fort:
Ich weiß, was es heißt, die glänzenden Ideale, an denen
unſere jugendliche Seele ſich berauſchte, nach und nach verbleichen
ſehen, bis ſie endlich wie abgeſchiedene Geiſter am Saume un⸗ ſeres Lebens ſchweben und, wenn ſie vorübergleiten, uns nicht mehr begeiſtern, wie ehemals, ſondern uns nur tief, ach, ſo tief traurig machen. Ich, das Kind des Dienſtmannes, die Leib⸗ eigene einer gräflichen Familie, habe es erfahren, ich! Und ich bin nur ein Weib; wir dürfen ja nicht den Anſpruch erheben, uns auszuleben, wir dürfen nur den Schmerz über dies un⸗ würdige Leben empfinden und ſehen, wie wir damit fertig wer⸗ den. Aber wenn ich mich in die Seele eines Mannes ver⸗ ſetze, wenn ich mir denke, ich hätte einen Bruder, einen Freund, und wüßte ihn in dieſer furchtbarſten Sklaverei und er zer⸗ bräche nicht die Ketten, komme danach, was da wolle— ich weiß nicht, aber ich meine, ich könnte den Bruder, den Freund nicht mehr lieben; ich müßte den aufgeben, der ſich ſelber aufgiebt. Hedwig riß den Kopf ihres Pferdes, das ſich, während ſie


