abeilte, ſich unten auf ihr Pferd heben ließ und davonſprengte. Das ſieht ſo aus, als bliebe ſie lieber allein, ſagte Diet⸗8*
rich, der noch an dem Gurt ſeines Sattels ſchnallte. Ich ſoll ſie nicht aus den Augen laſſen, und ſie thut, was ſie kann,
mir aus den Augen zu kommen. Unſereiner weiß nie, woran
er iſt.
Wer ſagt, daß Du ſie nicht aus den Augen laſſen ſollſt? fragte Prachatitz.
Wenn Ihr mir die Meta erſt werdet gegeben haben, ſollt Ihr's wiſſen, vorher nicht. Hopp, Lieſe!
Und der Diener ritt im Galopp davon, ſeiner Gebieterin nach, den Baumgang entlang, nach der ſtets offenen Weſtpforte der Faſanerie. Hier führte ein Vicinalweg vorüber, der in man⸗ chen Krümmungen durch das felſige Waldterrain oben auf die Höhe nach Hühnerfeld und in das Gebirge lief, während er nach unten wieder in den chauſſirten Weg fiel, welcher von dem Schloſſe heraufkam.
Dietrich, der nicht anders meinte, als daß ſeine Gebieterin dieſe letztere Richtung eingeſchlagen, ritt, ſo ſchnell es der ab⸗ ſchüſſige Weg erlaubte, bergab, verwundert, daß der Vorſprung, den er der gnädigen Frau gelaſſen, ſo gar groß war.
Unterdeſſen war Hedwig bergauf durch den Tann geritten, an⸗ fänglich ohne zu merken, wie der Diener ihr nicht folgte. Dann, als ſie nach wenigen Minuten an den Rand des Dickichts kam, fiel es ihr auf, daß ſie allein war.
Sie hielt ihr Pferd an.
Im Walde blieb Alles ſtill, auf der Haide zirpten die Gril⸗ lne und eine Lerche ſang hoch herab aus dem noch immer lich⸗ ten Aether. Und als ſie ſo in der milden Schönheit des Abends wie in einem reinen Spiegel ihr eigenes gramverdüſtertes Ant⸗ litz ſchaute und in dem tiefen Frieden der Natur rings um ſie her ihr zuckendes Herz das Einzige war, was fühlte und litt, über⸗ kam ſie jäh eine unendliche Traurigkeit. Unaufhaltſam entſtürz⸗ ten die Thränen ihren Augen; ſie weinte, wie ſie nie geweint, als könnte ſie mit ihren Thränen verinnen in dem All und Friede und Ruhe haben für und für.


