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Der Fürſt hatte den Kopf in die Hand geſtützt; der Kammer⸗ diener, welcher keine Antwort bekam, wollte ſich geräuſchloſen Schrittes entfernen, als der Fürſt hinter ihm herrief:
Du kannſt bei der gnädigen Frau, wenn ſie zurück iſt, an⸗ fragen laſſen, ob ſie vielleicht vorzieht, den Thee auf ihrem Zim⸗ mer zu trinken. Ich fühle mich ein wenig angegriffen, und muß doch morgen friſch ſein; auch habe ich ein paar nothwendige Briefe zu ſchreiben.
Sehr wohl, Durchlaucht, ſagte Herr Gleich, die Thür leiſe hinter ſich zuziehend.
Der Fürſt ſaß regungslos, die weißen ſchönen Hände auf der Decke ausgeſtreckt. Er dachte an morgen, wo die Ruhe und Stille um ihn her, die er ſo liebte, durch die laute Gegenwart von Menſchen, die er im Grunde haßte, geſtört ſein würde, und er nicht wohl, wie jetzt, ſich zurückziehen könnte, ſeinen Ge⸗ danken nachzuhängen.
Ein fragliches Glück, Gedanken nachzuhängen, die vor uns hertrotten wie die Pferde eines Leichenzuges, und ich ſelbſt bin der Todte, den ſie zu Grabe tragen! Weshalb habe ich ſie mir
denn eingeladen? Ich weiß es ſelbſt kaum noch, und doch habe
ich recht gehabt; ich hatte nicht zu düſter geſehen; es ſtand ihr zu deutlich auf der Stirn geſchrieben, es blickte aus ihren Augen, es klang hervor aus jedem ihrer Worte, aus dem Ton ihrer Stimme! Nur eben jetzt!
Wie das Alles ſcheinbar ſo ohne Beziehung geſagt war, und doch ſo abſichtsvoll! Wenn man vier Jahre weglächeln könnte! Vier Jahre— was wäre das! Wenn es noch vierzig wären! Und ich liebe ſie beſſer als ein Jüngling von zwanzig, mehr als ein ſie lieben kann! O, mein Gott, mein Gott wie ich ſie iebe!
Der Fürſt warf ſich in ſeinem Seſſel herum, er konnte keine ſ finden. Er legte ſeine rechte Hand um das Gelenk der inken.
Pah, ſagte er, ich bin nervös und fieberhaft; mein Nach⸗ folger wird nicht allzu lange zu warten brauchen. Und er iſt ein Herkules im Vergleich mit mir. Das Exerciren auf ihren
Fr. Spielhagen's Werke. XI. 2


