Wie ſollte ich, ſagte Hedwig; Du kennſt ja meine Unart, bei jeder Gelegenheit Sylben zu ſtechen! Und welche Anwen⸗ dung hätte das auch auf unſeren Fall? Aber nehmen wir die Sache wie ſie liegt. Du haſt den Doctor damals auf drei Jahre engagirt, die Zeit iſt abgelaufen; Du wärſt der Letzte, der ihn halten wollte, wenn er ſelbſt ſich nicht mehr gehalten fühlt.
Du irrſt, liebe Hedwig, ſagte der Fürſt. Ich will aufrich⸗
tig ſein und eingeſtehen, daß ich ihn ſehr ungern verlöre. Er
kennt mich, ein Anderer müßte mich erſt kennen lernen; vor Al⸗ lem, ich habe mich einmal an ihn gewöhnt, ich habe ihn gewiſ⸗ ſermaßen gern. Und ganz abgeſehen von mir: Gräfin Ste⸗ phanie iſt, wie Du weißt, der ärztlichen Hülfe entſchieden be⸗ dürftig. Die Generalin ſelbſt iſt ſehr ängſtlich; ich habe ihr ver⸗ ſprochen, daß Stephanie meinen Leibarzt vorfinden wird, für deſſen Geſchicklichkeit ich mich verbürge. Wie fatal wäre es mir nun, nachdem Alles verabredet iſt und wir ſie morgen ſchon hier haben werden, mein Verſprechen nicht halten zu können!
Aber der Doctor wird doch nicht alsbald fort wollen? ſragte Hedwig.
Doch, doch, ſagte der Fürſt. Man hat ihm auf der Natur⸗ forſcher⸗Verſammlung neulich den Kopf ſo warm gemacht. Er muß ſich in kürzeſter Zeit entſcheiden. Es iſt fatal, wirklich recht fatal.
Und doch bleibt Dir nur Eines übrig, ſagte Hedwig. Ich bin überzeugt, Du wirſt, wenn Du es ruhig überlegſt, zu dem⸗ ſelben Reſultate kommen.
Der Fürſt lächelte.
Nun gut, ſagte er, wir wollen es uns ruhig überlegen. Vor⸗ läufig haben wir uns in eine Aufregung hineingeſprochen, welche die Sache denn doch wohl nicht verdient. Mache Du Deinen Ritt, ich will eine Stunde leſen. Wir ſprechen heute Abend beim Thee weiter darüber. Adieu, liebe Hedwig!
Er küßte der jungen Dame die Hand und begleitete ſie durch
den Salon, an deſſen Fenſter er ſtehen blieb, um ſie unten im
Schloßhof ihr Pferd, welches der Reitknecht nebſt dem ſeinigen am Zügel führte, beſteigen zu ſehen.


