Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Aber wie magſt Du Dich nur über eine ſolche Bagatelle ärgern! ſagte Hedwig, ſobald Herr Andreas Gleich ſich entfernt hatte. Dein Comfort, Deine Ruhe ſind mir keine Bagatelle, er⸗ wiederte der Fürſt, indem er mit noch zitternder Hand über den glänzenden Scheitel der Dame ſtrich; am wenigſten jetzt, wo ich leider in der Lage bin, unſer Leben ſo uncomfortabel und un⸗ ruhig machen zu müſſen. Das läßt ſich nun freilich nicht än⸗

dern, aber über das Nothwendige hinaus ſollen ſie unſere Frei⸗ heit nicht beſchränken und die Gewohnheiten unſeres Lebens nicht ſtören. Wo wollteſt Du heute hin, liebes Kind? Nach der Faſanerie, erwiederte die Dame. Ich wollte Deine Befehle ſelbſt überbringen. Prachatitz iſt ſo gewohnt, mich dort oben ſchalten zu ſehen; er würde, fürchte ich, immer erſt auf meine Ordre warten.

Aber ich denke ja gar nicht mehr daran; ſagte der Fürſt

icht ohne einige Verlegenheit. Und ich bitte Dich, meinen unſchicklichen und kindiſchen Wider⸗ ſpruch von vorhin zu vergeſſen, ſagte die Dame; kindiſch in der

That! Mein Wunſch, das Theehaus ſo zu laſſen, wie ich es

damals fand mit den vergilbten Kupferſtichen und den er⸗ blindeten Spiegeln, den ſchönen, alten, wurmſtichigen Rococo⸗ möbeln, dazu den kleinen Park mit den verroſteten Gittern, um⸗ geſtürzten Statuen und wild überwucherten Wegen das iſt ja ſchließlich eine romantiſche Grille, die dem ſiebzehnjährigen Mädchen vielleicht nicht übel ſtand, aber doch jetzt nicht mehr recht für mich paſſen will. Du lachſt? Ja, wenn man vier Jahre

ſo weglachen könnte!

Möchteſt Du das Geheimniß verſtehen? ſagte der Fürſt. Es klingt faſt ſo; und für wen wollteſt Du es in Anwendung brin⸗ gen? Für Dich, für mich, für uns Beide?

Er ſagte das noch immer lächelnd, aber um ſeine Lippen

zuckte es.

Ich muß fort, ſagte die junge Dame, es iſt die allerhöchſte Zeit. Alſo, lieber Freund, ich darf Prachatit die nöthigen Be⸗ fehle geben?