Drei Jahre!
Die eine Hand auf die Steinbaluſtrade lehnend, ſtand der Fürſt da und blickte mit ſtarren Augen in den Sonnenuntergang. Aber er ſah nichts mehr von dem prächtigen Farbenſpiel! Es war der erſte wahrhaftige Sonnenſchein geweſen in ſeinem Leben; ein Licht wie aus einer anderen, beſſeren Welt, ein romantiſcher Wunderfrühling im Spätherbſt ſeines Lebens— es war ſehr, ſehr ſchön und köſtlich geweſen.
Und wenn es geweſen und nicht mehr iſt, wer trägt die Schuld, als ich ſelbſt? Wer hat den Sonnenſchein verdüſtert, das Licht ausgelöſcht, dem Frühling ſeine Wunder genommen, ſeine Ro⸗ mantik abgeſtreift, als ich ſelbſt, ich ſelbſt!
Ich ſelbſt? Was iſt denn meine Schuld, als daß ich gegen mich habe, was Andere für ſich haben? Sie war ſiebzehn, jetzt iſt ſie zwanzig; ich war zweiundſechszig, jetzt— ich habe die Zeit gegen mich. Das iſt es! 3
Der Fürſt ſchrak zuſammen, als er hinter ſich auf der Ter⸗ raſſe das Rauſchen eines Gewandes hörte. Er ſtrich ſich ſchnell mit der Hand über das Geſicht, und als er ſich umwendete, zeigte er der jungen Dame, die in einem Reitkleide von dunkel⸗ geünem Sammt, Baret, Handſchuhe und Reitpeitſche in der Rech⸗ ten, und das lange Gewand mit der Linken hebend, auf ihn zukam, ein lächelndes Geſicht.
Sieh da, Hedwig! Du kommſt heut ſpät zu Deiner Pro⸗ menade, ſagte er, die Stirn der Dame mit ſeinen Lippen be⸗ rührend.
Es gab ſo viel zu thun, erwiederte Hedwig; Conferenzen mit der Putzmacherin, da noch Einiges an den Herrlichkeiten, die Du mir haſt kommen laſſen— überreich und überreichlich, wie gewöhnlich— zu ändern blieb; dann die Zimmer auszuräumen, obgleich gerade nicht viel von meinen Sachen darin war—
Die Zimmer, fragte der Fürſt, Deine Zimmer? Weshalb aus⸗
räumen?
Haſt Du nicht Befehl gegeben, daß die beiden Zimmer in dem Rothen Thurm noch zu den Fremdenzimmern gezogen wer⸗ den ſollten? erwiederte Hedwig.
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