Durch Nacht zum Licht.
Hospitälern, in den Häuſern überall in der Stabt Schwerverwundete, von denen noch Mancher den goldenen Tag der Freiheit nimmer ſchauen wird.
Und nun beginnen von allen Thürmen in feierlichen Klängen die Glocken zu läuten,— dieſelben Glocken, die in der Barricadennacht den Schlachtruf heulten.
Die kirchliche Handlung iſt vollendet. Der Zug ſetzt ſich in Bewegung.
Ein Zug wie ihn die Stadt nimmer ſah, wie er vielleicht einzig iſt in der Welt Geſchichten.
Da ſchweben die gelben, von reichen Kränzen umwundenen Särge, in unabſehbarer Reihe auf den Schultern der Bürger hin durch die blaue Frühlingsluft und zwanzigtauſend Menſchen jeden Alters und Standes geben ihnen das Geleit. An jedem Sarge iſt ein Zettel mit dem Namen des Todten. Namenloſe Namen! Wer war Oswald Stein? wer war Eberhard Wolfgang Berger?..
Was thut der Name? was thut es, was ſie im Leben waren?
was ſie im Leben thaten und litten, fehlten und ſündigten, ſtrebten
und irrten? Der Tod für die Freiheit krönt alles Streben, ſühnt alle Schuld. Das fühlten auch die Hunderttauſende, die rechts und links in gedrängten Reihen am Wege ſtehend, den Zug an ſich vor⸗ überziehen laſſen, und vor jedem Sarge die Häupter ehrfurchtsvoll entblößen.
Und ſo geht der unabſehbare Zug lang und langſam in lautloſer feierlicher Stille zum Thore hinaus nach ſeinem Ziel, dem Hügel vor der Stadt, wo von den Barricadenkämpfern an den Tagen vorher ein großes Viereck ausgeſchaufelt iſt. Der Zug geht in die Grube hinein. Die Träger ſetzen ihre Särge ſtille nieder und ſchreiten weiter, und ſo die Anderen, bis der Zug hindurch iſt.
Und die Tauſende ſtellen ſich in andächtigem Schweigen rings
umher. Gewehrſalven krachen, und an den Gräbern ſeiner Märtyrer betet ein ganzes Volk.
Für wen?
Für die Todten?
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