Dritter Band. W
Auf einer der Barricade eingefügten Tonne ſaß Oldenburg. Er ließ die langen Beine herabhangen und blies mächtige Dampfwolken ans ſeiner Cigarre. Seine Miene war die eines Mannes, der eine ſchwere Verantwortung übernommen hat, aber vor derſelben nicht zurückbebt, weil er genau weiß, was er will und warum er es will. Er zweifelte keinen Augenblick daran, daß, wenn die Barricade über⸗ gehen ſollte, er an der Spitze der Männer, die er in den Kampf ge⸗ führt, fallen würde; aber daran dachte er am wenigſten. Der Tod für eine gerechte Sache hat für den Braven nichts Fürchterliches, ja Oldenburg glaubte etwas wie eine leiſe Todesſehnſucht in ſeinem Herzen zu verſpüren. Schien doch die ſüße, feſt gehegte Hoffnung, Melitta bald die Seine nennen zu dürfen, ſeit den letzten Tagen weiter als je hinausgerückt. Er konnte ſie nicht tadeln, daß die Er⸗ innerung ihres Verhältniſſes mit Oswald wie ein Alp auf ihrer Seele laſtete und es ihr unmöglich machte, die Augen muthig zu dem beſſeren und treueren Manne aufzuſchlagen; aber grade weil er das Gefühl, das ſie trennte, ehren mußte, ſtand er rathlos und hoffnungs⸗ los da. Er hatte ſich oft das Wort wiederholt, das Melitta, wenn ſie ihn traurig ſah, ſo rührend zu ſprechen wußte, das Wort Ge⸗ duld!— aber vergebens! er verzehrte ſich in der Ungeduld, für ſein Glück nichts thun zu können, als müßig die Hände in den Schvoß zu legen und auf ein unbeſtimmtes Etwas mit gläubiger Seele zu harren.
Da brach die Revolution aus und Oldenburg athmete auf, wie Tauſende mit ihm. Hatte doch Jeder eine unerträgliche Laſt ge⸗ tragen, die er jetzt loszuwerden hoffte! Es war Oldenburg lieb, daß Melitta nicht zugegen war. Er hatte ihr gleich beim Beginn des Barricadenbaues durch den alten Baumann Kunde ſagen laſſen, und daß er ſie dringend bitte, an dem ſichern Orte, wo ſie ſei, zu bleiben. Er dachte bei ſich, als er den alten Mann entſandte: wir ſehen uns entweder nie oder glücklicher als vorher wieder; jetzt müßte nur noch Oswald da ſein und an meiner Seite für die Freiheit und Melitta kämpfen. Der Ausgang ſollte mir ein Gottesurtheil ſein und Melitta dem Ueberlebenden den Kranz des Siegers reichen.
Und ſein Wunſch ging in Erfüllung. Seit einer Stunde kämpfte


