Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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158 Durch Nacht zum Licht.

ſagte Berger,und dann ſind wird verloren, weil uns das Militair durch dieſe enge Gaſſe hier er deutete auf die Gertrudenſtraße, welche an dem Hötel garni vorbei aus der Langenſtraße in die Schweſternſtraße führtein den Rücken kommen kann. Wir müſſen nothwendig auch dieſe Gaſſe ſperren und beſetzen, was mit leichter Mühe geſchehen wird; ich habe Oswald und Schmenckel den Auftrag gegeben, dieſe Arbeit auszuführen.

Wem? ſagte Oldenburg, der keine Ahnung hatte, wie Oswald hierher kommen ſollte und ſich deßhalb verhört zu haben glaubte.

Aber er hatte keine Zeit Berger's Antwort abzuwarten, denn ſchon ertönte wiederum der Sturmmarſch und die zweite Compagnie rückte heran. Diesmal ritt der Major nicht auf ſeinem Schimmel mit. Der alte Mann, den bei dem erſten Sturm eine Kugel am Kopf verwundet hatte, war bereits auf dem Wege in's Lazareth.

Der zweite Sturm war hartnäckiger, wenn auch nicht erfolgreicher, als der erſte. Der commandirende Hauptmann ließ in raſcher Folge drei Salven hinter einander geben, und dann warfen ſich die Soldaten mit großem Ungeſtüm auf die Barricade. Aber da Oldenburg mit vollem Bedacht ſein Feuer bis zu dieſem Moment aufgeſpart hatte, ſo war der Anprall höchſt verderblich für die Stürmenden, die in allernächſter Nähe von den Kugeln und Dachziegeln ſo arg mit⸗ genommen wurden, daß ſie abermals ihre Todten und Verwundeten mit ſich ſchleppend, eilend den Rückzug antraten.

Aber diesmal hatten auch die Vertheidiger ihre Verluſte. Ein junger Mann, der ſich unbeſonnen ausgeſetzt hatte, wurde durch die Bruſt geſchoſſen und war auf der Stelle todt, einem Andern hatte eine von der Mauer zurückprallende Kugel den Arm zerſchmettert.

So hatten die Barricadenmänner die Bluttaufe bekommen, und jetzt erſt fühlten ſie ſich mit der Sache der Revolution unauflöslich verbunden. Männer, die ſich heute zum erſten Male ſahen, ſchüttelten einander die Hände und gelobten ſich, zuſammen auszuharren und bis in den Tod gegen die Tyrannei zu kämpfen. Frauen, die ſonſt jedem Volkshaufen ſorgſamſt auszuweichen pflegten, gingen zwiſchen den Kämpfern umher und reichten ihnen Wein und Brod. Unter dieſen Samariterinnen zeichnete ſich eine durch ihre ſtattliche Erſcheinung