Dritter Band. 157 zum Aeußerſten gekommen ſei, hatte er Melitta's Wohnung in der Langen Straße zu erreichen geſucht, um ſie und die Kinder vor dem hereingebrochenen Sturm in Sicherheit zu bringen. Aber er hatte einen weiten Umweg machen müſſen, denn ſchon hielt das Militair alle Zugänge von der Schloßſeite her beſetzt und nur mit Mühe entging er mehrmals der Gefahr verhaftet zu werden. So kam es, daß er erſt in dem Augenblick im Hotel garni anlangte, als die ver⸗ ſammelte Menge unſchlüſſig deliberirte, ob man ſich ernſtlich zur Wehr ſetzen ſolle oder nicht. Oldenburg ließ ſich nur eben noch ſo viel Zeit, im Hötel nach Melitta zu fragen, wo er denn zu ſeiner Freude vernahm, daß ſie ſchon ſeit einer Stunde mit den Kindern zu Frau Doctor Braun(in eine Vorſtadt, bis zu welcher der Aufſtand ſchwerlich dringen konnte) gefahren ſei, und dann hatte er ſich, von ſeiner einzigen Sorge befreit, mit ausgebreiteten Armen in den Strom der Revolution geworfen.
Und jetzt ſtand er, nachdem der erſte Sturm glücklich zurück⸗ geſchlagen war, mit über der Bruſt gekreuzten Armen auf der Barri⸗ cade an einer ſichern Stelle, von wo er zugleich die Bewegungen des Feindes, und den Raum hinter der Verſchanzung überſchauen konnte, und erwartete voll Ungeduld die Rückkehr Bergers, der ſich mit einer Patrouille aufgemacht hatte, um wo möglich noch mehr Waffen auf⸗ zutreiben und ſodann die Verbindung mit den nächſten Barricaden herzuſtellen. Denn bis jetzt fehlte es noch gänzlich an einer Orga⸗ niſation des Aufſtandes. Kein gemeinſamer Plan machte ein gemein⸗ ſames Handeln möglich; an jeder Barricade wurde eine iſolirte Schlacht geſchlagen. Dazu kam, daß es bereits ſtark zu dunkeln begann, und die Nacht, wenn ſie auch dazu beitragen mochte, das Militair über die Stärke ſeines Feindes im Unklaren zu laſſen, doch auch ſchon die nur allzu große Verwirrung auf Seiten des Volks noch ſteigern mußte. Berger, der in dieſem Augenblicke kam, brachte noch einige Gewehre, aber ſonſt wenig tröſtliche Kunde. Die nächſten Straßen waren zwar ebenfalls verbarricadirt, aber die Barricaden meiſtens ſehr ſchwach conſtruirt und noch ſchwächer beſetzt, zumal, die in der unmittelbar benachbarten Schweſternſtraße.
„Ich glaube, ſie werden ſich dort nicht allzulange mehr halten,


