Dritter Band. 25
Nordlands. Und jetzt leuchten hüben und drüben Lichter auf, ver⸗ einzelt von der Inſel her, aber auf der Stadtſeite häufiger und weiterhin ſichtbar; und jetzt beginnen auch die Sterne, die vorher nur hier und da aus dem Abendhimmel herabſchauten, in Maſſe zu glänzen und zu funkeln und zu ſchimmern, daß ſich das Auge nicht ſatt ſehen kann an dieſer Pracht. Aber es achtet Niemand darauf. Der ſchwarze bewegliche Faden iſt verſchwunden, nur hier und da noch ein verſpäteter Wanderer, der ſeine Schritte beſchleunigt, obgleich er weiß, daß ihm kein Unglück paſſiren kann, wenn er ſich auf der Bahn hält; oder ein Schlitten, einer jener kleinen, leichten, mit einem Pferde beſpannten Schlitten, wie ſie zur Vermittelung des Verkehrs von Fiſchern und Fährleuten in großer Anzahl während des Winters ausgerüſtet und vom Publicum eifrigſt be⸗ nutzt werden.
Ein ſolcher Schlitten fuhr jetzt eben in ſchnellem Trabe durch den Abend dahin, der mit jedem Augenblicke dunkler und nebliger auf die Eisfelder herabſank. In dem Schlitten ſaß außer dem Fuhr⸗ mann nur noch ein Paſſagier, der eine Pelzmütze tief in das Geſicht gedrückt und den Mantelkragen hoch heraufgeſchlagen hatte.
So lange ſie in der Nähe des Hafens noch heimkehrenden Schlitten und Fußgängern begegneten, wurde zwiſchen dem Fuhr⸗ mann und ſeinem Paſſagier kein Wort gewechſelt; als ſie aber draußen hinauskamen auf die weite Eiswüſte, die Lichter der Stadt hinter ihnen im Nebel verdämmerten und der Hufſchlag des ſtutz⸗ ohrigen Kleppers dumpfer ertönte, richtete ſich der Herr aus ſeiner Ecke auf und ſagte:
„Alles in Ordnung, Claus?“
„Alles, Herr!“ erwiderte der hübſche Burſche, ſich halb auf ſeinem Sitze umwendend.
„Haſt Du von Deinem Vetter Nachricht?“
„Ich bin geſtern ſelbſt noch einmal dageweſen; er wird Schlag fünf bei Barow am Strande halten. Er nimmt ſeine beiden beſten Pferde. Sie können damit in einem Trabe bis morgen um dieſe Zeit fahren.“
„So viel braucht's gar nicht. Du kennſt doch die Bahn bis Barow?“


