Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 9

Gleich darauf trat, von dem Bedienten, der die Thür wieder hinter ihm ſchloß, hereingeführt, Albert Timm in das Zimmer.

Guten Tag, oder vielmehr guten Abend, ſagte der junge Mann, indem er ſich der Baronin mit ſcheinbar vollkommener Unbefangenheit näherte;ich bitte tauſendmal um Entſchuldigung, wenn ich zu einer ungelegenen Zeit komme. Der alte Herr iſt krank, höre ich? hoffe, es wird nicht viel zu ſagen haben; wäre wieder fortgegangen; aber ich habe Ihnen in der bewußten Angelegenheit eine neue wichtige Entdeckung mitzutheilen, die keinen Aufſchub verſtattet. Wollen wir uns indeſſen nicht ſetzen? Sie erlauben?

Und Herr Albert Timm ſchob mit einem Ruck der Baronin einen Lehnſeſſel hin und hatte ſich in dem nächſten Augenblick in einen andern geſetzt.

Anna Marie war noch immer nicht mit ſich einig, welches Beneh⸗ men ſie gegen dieſen Menſchen annehmen ſollte. Aber ſie fühlte wohl, daß man ſo leicht mit Herrn Albert Timm nicht fertig werde. So nahm ſie denn auf dem dargebotenen Seſſel Platz und ſagte in ihrem feierlichſten Ton:

Sie werden entſchuldigen, wenn ich Sie unter den Ihnen ſchon vom Bedienten mitgetheilten traurigen Umſtänden erſuche, ſich möglichſt kurz zu faſſen, Herr Geometer.

Bitte, bitte, ſagte Albert;ganz mein Fall; bin im Handum⸗ drehen fertig. Die Sache iſt die: Ganz zufällig, wie denn überhaupt der Zufall eine merkwürdige Rolle in dieſer Angelegenheit ſpielt, habe ich in Erfahrung gebracht, daß zwei Perſonen, die zu der Zeit, als Fräulein Marie Monbert in Grenwitz war, im Dienſte des Baron Harald ſtanden, und von dem Herrn Baron mit ſeinem ganz beſon⸗ deren Vertrauen beehrt wurden, z. B. in die ganze Entführungsgeſchichte vollkommen eingeweiht waren, noch exiſtiren, und wie ich nicht zweifle, bereit ſein würden, in einem etwaigen Erbſchaftsproceſſe vor dem Gericht als Zeugen aufzutreten. Die Ausſagen dieſer Perſonen würden um ſo ſchwerer in's Gewicht fallen, als ſie Beide ſich nicht nur des beſten Leu⸗ mundes erfreuen, ſondern ſchon durch ihre Lebensſtellung beſonderes Vertrauen erwecken. Die eine dieſer Perſonen iſt Küſter in hieſiger Stadt, ein allgemein geachteter Mann; die andere eine Frau