Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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202 Durch Nacht zum Licht.

habe mich dabei ſehr gut geſtanden. Doch das bei Seite. Die jungen Mädchen waren natürlich immer hübſch, ja ich kann wohl ſagen, daß ich von allen meinen Collegen ſtets die hübſcheſten hatte. Dies verdanke ich aber, ehrlich geſtanden, weniger mir ſelbſt, als dem Scharfblick und dem Geſchmack einer Dame, mit welcher ich früher, als ich mal mit ihr bei einer Herrſchaft zuſammen diente, ein zärt⸗ liches Verhältniß gehabt hatte, und jetzt noch immer in freundſchaft⸗ lichem und geſchäftlichem Verkehr ſtand. Dieſe Dame, mit Namen Roſa Pape, war in ihrer Art ein merkwürdiges Frauenzimmer mit einem wunderbaren Genie für ihr Geſchäft.

Ich kann mir ſchon denken, was das für eine Art Geſchäft war, meinte Albert.

Nichts kannſt Du Dir denken, junger Menſch, erwiderte Tobias.Frau Roſa Pape war eine vortreffliche Frau, deren Geſell⸗ ſchaft von den anſtändigſten Damen nicht blos geſucht, ſondern auch obendrein mit ſchwerem Gelde bezahlt wurde und deren Nachtklingel die ganze, ſehr ſtark bevölkerte Straße, in welcher ſie wohnte, kannte. Aber Roſa Pape intereſſirte ſich nicht blos für junge Frauen, ſondern auch ganz konſequenterweiſe für diejenigen, welche es noch einmal werden konnten, und ſo hatte ſie denn unter den hübſchen Stuben⸗ mädchen und Nätherinnen eine nicht minder ausgebreitete Kundſchaft, als unter den Regierungsräthinnen und Kaufmannsfrauen.

In Folgen deſſen war Niemand beſſer als ſie im Stande, die Bekanntſchaft ſolcher jungen Perſonen mit jungen Cavalieren, die ſich nach einer temporären Lebensgefährtin ſehnten, zu vermitteln, und da ſie ſich immer ſehr anſtändig für ihre Hilfeleiſtungen bezahlen ließ, ſo war ihr Publicum das nobelſte, das ſich denken läßt: lauter Herrn von, Barone, Grafen, ja ſelbſt Prinzen von Geblüt wandten ſich vorkommenden Falls an die verwittwete Frau Roſa Pape.

Eines ſchönen Tages kam nun Frau Roſa zu mir und theilte mir mit, daß ein ſteinreicher Baron ihrer Bekanntſchaft ſich ſterblich in ein hübſches Kind verliebt und ſie(Roſa) beauftragt habe, ihm ſelbiges, koſte es was es wolle, zu ſchaffen. Sie habe auch ſchon mit dem Baron einen herrlichen Plan entworfen, zu deſſen Ausfüh⸗ rung aber noch einKammerdiener nöthig ſei. Es ſei Geld, viel