Zweiter Band. 195
Oswald war nicht ſo blind, daß er das Wahnſinnige dieſes Pro⸗ jectes nicht hätte einſehen ſollen, aber einerſeits ſagte ihm auch wieder das Abenteuerliche deſſelben zu, andererſeits lockte ihn der Gedanke, ſich aus all dieſem Wirrſal mit einem kühnen Schritte befreien zu können, gleichviel, wohin der Schritt führte; und ſchließlich war bei ihm aus der frivolen Koketterie mit der reizenden Emilie eine Leiden⸗ ſchaft geworden, die, wenn ſie nicht ſein Herz erwärmte, zum mindeſten ſeine Phantaſie entflammte, und gegen die er ſich um ſo weniger wehrte, als er in ihr eine Art von Entſchuldigung für ſeinen ſonſtigen Wankelmuth fand. Er fing an, den Fluchtplan in ernſtliche Ueber⸗ legung zu ziehen, umſomehr, als der Reſt ſeines kleinen Vermögens, wie es bei der Lebensweiſe, die er jetzt führte, wohl nicht anders ſein konnte, ſehr raſch zuſammenſchmolz, und mithin, was einmal ge⸗ ſchehen ſollte, bald geſchehen mußte.
Oswald hätte in dieſer Bedrängniß gern den Rath ſeines Freun⸗ des Albert vernommen; aber er wagte jetzt nicht mehr über Emilie mit ihm zu ſprechen. Im Anfang freilich hatte er über ſeinen neueſten Roman dann und wann ein Wort fallen laſſen, und der kluge Albert gehörte zu den Menſchen, die nur mit halbem Ohre zu hören brauchen, um ſich in der verwickeliſten Sache zu orientiren. Er hatte, ohne
Oswald durch neugierige Fragen läſtig zu fallen, in Kurzem ſo ziem⸗ lich Alles, was er zu wiſſen wünſchte, herausgebracht. Er wußte, das Oswald bei der Jägerin und drüben in Fährdorf heimliche Zu⸗ ſammenkünfte mit der jungen leichtſinnigen Frau hatte, und er ließ ſich auch vadurch nicht irre machen, daß Oswald über Emilie plötzlich zu ſprechen aufhörte, ſondern ſchloß nur daraus, daß beſagtes Ver⸗ hältniß in ein Stadium getreten ſei, wo Schweigen Pflicht war.
So weit hatte es nun freilich nach Timms Wunſch nicht kommen ſollen. Timm hatte nichts dagegen, daß Oswald ſeinen Geſchmack am ariſtokratiſchen Leben durch eine Liebelei mit der vornehmen Dame auffriſchte, und ſich ſo noch mehr von der Nothwendigkeit ein Ver⸗ mögen zu beſitzen, überzeugte, aber es paßte ihm gar nicht, daß aus dieſer Liebelei eine L nicht berechnen ließ, was noch Alles daraus e
vor Allem Oswalds romantiſcher Liebe zu
iebſchaft in beſter Form wurde, von der ſich gar ntſtehen konnte, und die Helenen verderblich zu
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