Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 189

Ich ſehe nicht ab, ſagte er,wohin dies Treiben führen ſoll. Wenn der König, wie ich gern glaube, nicht will, daß ſich ein Blatt Papier zwiſchen ihn und ſein Volk ſtelle, nach deſſen Paragraphen er regieren muß, er mag wollen oder nicht, ſo dürfte er auch nicht einmal den Schatten des Conſtitutionalismus heraufbeſchwören. Dem Schatten folgt der Körper. Ich geſtehe, daß ich über die Langmuth des Königs, dieſen frechen Schreiern gegenüber, empört bin und daß ich lange Zeit Anſtand genommen habe, ob ich einem Monarchen, der ſo die erſten Pflichten eines gottbegnadeten Amtes verkannte, mit Ehren dienen könne.

Wenn ſo der Fürſt ſeine ruſſiſch abſolutiſtiſchen Ideen zum Maßſtab der Dinge machte, ſo geſchah es wohl, daß ſich in Helenen's von Natur gutem und liebevollem Herzen etwas wie ein mit Grauen gemiſchter Widerwillen gegen den, der in kaltem Ton ſo Unmenſch⸗ liches behauptete, zu regen begann. Aber wenn ſie auch zu einer andern Zeit vor den furchtbaren Conſequenzen der Grundſätze des Fürſten zurückgeſchaudert ſein würde, ſo hatte jetzt die Wunde, die ihrem ſtolzen Herzen Oswald's Verrath geſchlagen, ſie ſchwer gereizt, und wie das bei heftigen Geiſtern zu geſchehen pflegt, in das andere Extrem geſtürzt. Helene haßte Oswald; ſie weinte Thränen des Zorns und der Scham, wenn ſie dachte, wie theuer ihr dieſer Menſch und wie nah ſie der Gefahr geweſen war, ihm zu zeigen, wie lieb ſie ihn hatte. An dem Verrath ſelbſt zweifelte ſie jetzt nämlich durchaus nicht mehr. Das Benehmen Emilien's war ſeit einiger Zeit ſo ver⸗ ändert, daß es auch den Unbefangenſten auffiel. Die junge Frau, welche ſich früher nur in dem tollſten Strudel der Vergnügungen wohl zu fühlen ſchien, floh jetzt die Geſellſchaft ebenſo, als ſie dieſelbe früher geſucht hatte, und wenn ſie es nicht vermeiden konnte, in ihren alten Cirkeln zu erſcheinen, hatte ſie nur Spott und Hohn für Alles, wofür ſie vormals ſchwärmte. Sie fand die Officiere albern; erklärte Tanzen für ein kindiſches Vergnügen und einen Bal masqué für den Gipfel aller Lächerlichkeit. Sie behandelte die Damen mit unverhüllter Ironie und die Herren mit offener Verachtung, beſonders ihren Ge⸗ mahl, der bei dem Allen gar nicht wußte, wie ihm geſchah, und dem nur höchſtens ſoviel nach und nach klar zu werden ſchien, daß unter