Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 183

ſtimmteſte, daß der Fürſt beinahe alle Abend zu Grenwitzen's komme; Frau von Nadelitz, daß er jeden Mittag nach der Parade auf ſeinem prachtvollen tſcherkeſſiſchen Hengſt an der Penſion des Fräulein Bär vorüberreite; Frau von Sylow, daß er, in ſeinen Mantel gehüllt, mehrere Nächte ſtundenlang vor dem Haus auf⸗ und abpatrouillirt ſei; Hortenſe Barnewitz flüſterte der Comteſſe Stilow in's Ohr: Jetzt weiß ich, weßhalb der arme Felix Hals über Kopf nach Italien geſchickt wurde, und Comteſſe Stilow meinte darauf: Sie ſollen ſehen, liebe Hortenſe, es dauert nicht acht Tage, ſo iſt Helene, die für immer verbannt ſchien, wieder bei ihren Eltern.

Ein Lächeln des Triumphes erhellte aber Aller Geſichter, als die Prophezeiung der zahnloſen Comteſſe Stilow nun wirklich eintrat und Helene Grenwitz aus ihrem beſcheidenen Stübchen in der Penſion des Fräulein Bär in die ſtattlichen Räume des Hötel Grenwitz über⸗ ſiedelte.

Merkwürdigerweiſe ſchien der alte Baron, der dieſen Schritt früher ſo dringend gewünſcht hatte, jetzt am wenigſten darüber erfreut. Der alte Herr war in dieſer letzten Zeit ausnehmend launiſch, wider⸗ ſpruchsvoll und heftig geweſen, daß man den ſonſt ſo gutmüthigen, freundlichen Mann kaum wieder erkannte, und Jedermann die arme Anna Marie, die dieſes Kreuz mit ſo chriſtlicher Geduld und Sanft⸗ muth trug, bedauerte und bewunderte.

Ach, glaube mir, liebe Helene, ſagte die treffliche Dame zu ihrer Tochter, als ſie Beide am erſten Abend auf dem Sopha im Soalon ſaßen, nachdem der Baron das Gemach verlaſſen hatte, um zu Bett zu gehen;es iſt jetzt recht ſchwer mit Deinem Vater aus⸗ zukommen, und ich bedarf Deiner freundlichen Stütze mehr als je. Malte iſt noch zu jung und ich fürchte zu herzlos, als daß ich zu ihm Vertrauen haben könnte. Ich bin ſo lange gewohnt, Alles allein zu tragen, daß ich mich in das Glück, eine Freundin und Vertraute zu haben, kaum zu finden weiß; und die Frau vergoß Thränen, während ſie ihre Nähſachen zuſammenpackte, um dem Gemahl in das eheliche Schlafgemach zu folgen.

In der That ſchien das Verhältniß zwiſchen Mutter und Tochter ſich für die Zukunft viel günſtiger als früher geſtalten zu wollen.