Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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12 Durch Nacht zum Licht.

kommt, Sie zum Muſiciren abzuholen. Soll ich Ihnen das Mädchen nachſchicken? und wann?

Sie kommen doch mit, Helene? ſagte Sophie, die ſich auf einen Stuhl an das Inſtrument geſetzt hatte, und einen Clavierauszug durchblätterte.Ich habe ſehr ſchöne neue Lieder bekommen. Ein ganz herrliches von Schumann, das müſſen wir zuſammen durchgehen. Recht gern, erwiderte Helene;indeſſen ich möchte nicht lange bleiben, da ich heute Abend nothwendig einen Brief nach England zu beendigen habe, der morgen früh fort muß. Ich danke deßhalb für das Mädchen, Fräulein Bär. Ich werde noch vor Dunkelwerden wieder zu Hauſe ſein.

Ganz wie Sie wollen, liebe Helene, ſagte Fräulein Malchen, erſt Helene flüchtig und dann Sophie Robran herzlich auf die Stirn küſſend.Adieu, mes enfants!

Und Fräulein Bär ließ die Brille wieder auf die Naſe gleiten, legte ihre Stirn in die geſchäftsmäßigen Falten und rauſchte in ihr Adyton zurück, aus dem ſie Sophie vor einigen Minuten auf⸗ geſtört hatte.

Wie geht es Ihrem Herrn Vater? fragte Helene.

Danke, erwiderte Sophie, noch immer in dem Clavierauszuge blätternd.Es geht ihm viel beſſer; er iſt heute ſchon wieder ein paar Stunden länger aufgeblieben. Aber, nun leſen Sie auch Ihren Brief, Helene; und dann machen Sie, daß Sie fertig werden.

Sogleich, ſagte Helene, den Brief erbrechend; während Sophie weiter in den Noten las. Nach einigen Minuten blickte ſie auf und ſah Helenen den Brief in der herabhängenden Hand haltend, den Kopf in die andere geſtützt, offenbar in tiefes Nachdenken verſunken daſitzen. Die langen Wimpern verhüllten die ſtrahlenden Augen und die dunklen Brauen waren, wie in Unwillen, zuſammengezogen.

Was iſt Ihnen? rief Sophie, das Notenbuch zuklappend und auf's Clavier legend,haben Sie ſchlimme Nachrichten erhalten?

Nicht doch! erwiderte Helene, die bei dem erſten Ton von Sophiens Stimme ſich wieder zuſammenraffte und zu lächeln ver⸗

ſuchte.Nicht doch! Mein Vater wird morgen kommen, das iſt Alles.